Russland:Trikolore in den Meeresboden gerammt

Mit der zunehmenden Militärpräsenz in der Arktis will Russland auch seine Ansprüche auf die dort vermuteten Öl- und Gasreserven untermauern. Moskau behauptet, dass sein Festlandsockel am Meeresboden so weit in die Arktis reiche, dass Russland den Nordpol beanspruchen dürfe. Um den Anspruch zu unterstreichen, hatte eine U-Boot-Besatzung 2007 die russische Trikolore in den Meeresboden unter der Eiskappe gerammt. Die Anrainerstaaten Dänemark, Kanada, Norwegen und die USA protestierten.

Bislang gilt die Arktis als internationales Territorium, seit das Eis wegen der Klima-Erwärmung schmilzt, wird das Gebiet leichter zugänglich - für die Ausbeutung der Bodenschätze, für die Schifffahrt aus Südostasien nach Europa und nicht zuletzt für das Militär.

In den russischen Kinos läuft das Heldenepos "Das Territorium" an

Passend dazu läuft in den russischen Kinos gerade das Heldenepos "Das Territorium" an. Es spielt im Jahr 1960. Der Geologe Ilja Tschinkow macht sich darin auf in den äußersten Nordosten der Sowjetunion. Er ist überzeugt, im frostigen Boden Gold zu finden, das sein Land zur Stärkung seiner Wirtschaft dringend braucht.

Die Geschichte vom Ringen um die Bodenschätze im unwirtlichen Norden und vom entbehrungsreichen Kampf eines Mannes für sein Land ist das Begleitprogramm für eines der Lieblingsprojekte des russischen Präsidenten: Seit seiner Rückkehr in den Kreml vor bald drei Jahren steht die Eroberung der Arktis auf der Prioritätenliste von Wladimir Putin ganz oben. Auf eine Greenpeace-Aktion gegen Ölbohrungen in der Arktis reagierte Moskau im Oktober 2013 hart. 30 Aktivisten kamen mehrere Wochen in Haft, nachdem sie versucht hatten, die Gazprom-Bohrinsel Priraslomnaja zu besetzen.

Dass Wladimir Putin die Arktis damals einen "unzertrennlichen Teil der Russischen Föderation" nannte, der "sich schon seit einigen Jahrhunderten unter unserer Souveränität befindet", dürfte nun noch ernster genommen werden, seit er die Annexion der Krim mit ähnlichen Argumenten gerechtfertigt hat.

Über die unerwartete Ausdehnung nach Süden war das Programm im Norden zuletzt etwas aus dem Blickfeld geraten. Die neue Konfrontation mit dem Westen dient dem russischen Generalstab jetzt als zusätzliches Argument, in der Arktis auch militärisch aufzurüsten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB