Vor zwei Jahren schossen islamistische Terroristen bei einem Rockkonzert um sich und töteten fast 150 Menschen. Ein russisches Militärgericht hat die vier Haupttäter und deren elf „Ersthelfer“, wie sie von den russischen Sicherheitsbehörden genannt werden, nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Das berichtet die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass aus dem Gerichtssaal. Gegen vier weitere Männer wurden Haftstrafen zwischen 19 und 22 Jahren verhängt.
Begonnen hatte der große Prozess Anfang August vergangenen Jahres, die Militärgerichtskammer zog dafür in das große Gebäude des Moskauer Stadtgerichts um. Trotz des Entsetzens über den wohl größten Terroranschlag in Russland seit Jahren und großem Interesse der Öffentlichkeit wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt.
Im März 2024 waren bewaffnete Männer in die Crocus City Hall in Krasnogorsk am Stadtrand von Moskau eingedrungen. Dort wollten mehr als 6000 Menschen ein Konzert der Rockgruppe Piknik hören. Die Terroristen schossen auf die Besucher und legten Feuer. Ein Teil des großen Gebäudes stürzte ein. 149 Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben, einer galt als vermisst, 609 Personen wurden verletzt, wie das russische Ermittlungskomitee mitteilte.
Die nun verurteilten Haupttäter wurden damals bei der Flucht nahe der russischen Stadt Brjansk an der Grenze zur Ukraine und zu Belarus gefasst. Anschließend wurden sie der Öffentlichkeit vorgeführt und wiesen Spuren von Misshandlungen auf.
In einem Bericht über systematische Folter in Russland sagte die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Russland mit Blick auf diesen Fall, dass nicht mehr nur heimlich und versteckt in Hinterzimmern gefoltert werde. Die Verdächtigen seien vor Gericht mit eindeutigen Folterspuren vorgeführt worden, ohne dass der zuständige Richter nach dem Gesundheitszustand der mutmaßlichen Täter gefragt habe, hieß es.
Ermittler gehen immer noch von einer Verwicklung Kiews aus
Die vier Hauptangeklagten stammen aus der islamisch geprägten früheren Sowjetrepublik Tadschikistan, sie waren als Gastarbeiter in Russland. Einer von ihnen soll nach Angaben russischer Sicherheitskreise zur Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) gehört haben, wie der IS-Ableger in Afghanistan heißt. Auch die als Komplizen verurteilten Männer kommen aus Zentralasien oder den muslimischen Teilrepubliken im Süden Russlands. Ihnen wurde zur Last gelegt, die Terroristen mit Waffen oder Unterschlupf versorgt zu haben und Geld überwiesen zu haben.

Obwohl die ISPK den Anschlag für sich reklamiert, versuchten russische Stellen immer wieder, eine Spur zur Ukraine aufzutun. Auch in einem Kommentar zu dem Urteil beharrt das Ermittlungskomitee auf eine Verwicklung Kiews. Es sei zweifelsfrei festgestellt, dass dieses unmenschliche Verbrechen im Interesse der ukrainischen Führung geplant und ausgeführt worden sei, hieß es. Ziel sei gewesen, die politische Lage in Russland zu destabilisieren. Beweise wurden allerdings nicht vorgelegt. Die Ukraine hat jegliche Beteiligung bereits im März 2024 zurückgewiesen.
Die russische Justiz fahndet immer noch nach zwei Drahtziehern und vier mutmaßlichen Komplizen, die sich außerhalb Russlands aufhalten sollen.


