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Russland im Syrien-Krieg:Der Preis der Ruinen

Russia's President Putin meets with members of the United Russia party in Moscow

Wladimir Putin: In Syrien wandelt Moskau auf einem schmalen Grat

(Foto: REUTERS)

Wladimir Putin sieht die Waffenhilfe für das Regime von Syriens Diktator Assad nur als Mittel zur Durchsetzung seiner geopolitischen Interessen.

Wer erinnert sich noch? Ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem Präsident Wladimir Putin einen Abzug der russischen Streitkräfte aus Syrien verkündete. Die Armee habe die ihr gestellten Aufgaben "weitgehend erfüllt", sagte er. Mission accomplished, hatten die Amerikaner das einmal bei anderer Gelegenheit formuliert.

Nur ein Restkontingent solle bleiben, so Putin weiter. Dieses Restkontingent aber hat in den vergangenen sechs Monaten weiter syrische Städte in Ruinenfelder verwandelt. Wie soll man das also verstehen? Waren die Ziele doch nicht erreicht? Oder sind die Ziele in Wahrheit ganz andere?

Die Verhandlungen mit der russischen Führung verlaufen zäh und zermürben nicht nur den deutschen Außenminister und die Bundeskanzlerin, sondern auch den Amerikaner John Kerry. Über die offiziell von Moskau verkündeten Ziele könnte man sich vielleicht einigen, zuallererst auf die Bekämpfung der IS-Terroristen.

Aber da ist noch etwas anderes, was bei allen Gesprächen unausgesprochen mitverhandelt wird, egal, ob es um die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen zur Beilegung des Ukraine-Krieges geht oder um die Trennung von Terroristen und gemäßigten Rebellen in Syrien. Verhandelt wird immer auch Russlands Stellung in der Welt.

Russische Generäle preisen die Kooperation mit den USA

In Syrien wandelt Moskau auf einem schmalen Grat: Präsident Baschar al-Assad ist vorerst gerettet, aber man will sich auch nicht zur Geisel des syrischen Diktators machen. Als dieser am 9. Mai Wladimir Putin zum "Tag des Sieges" über Hitlerdeutschland gratulierte, verglich er die Schlacht um Aleppo mit Stalingrad und versprach, die syrische Armee werde bis zum vollständigen Sieg kämpfen. Die Generäle in Moskau dürften bei diesen Worten die Brauen hochgezogen haben.

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Sie sind sich darüber im Klaren, dass die Rückeroberung von ganz Syrien ein Abenteuer mit unabwägbaren Folgen wäre. Das Trauma des sowjetischen Afghanistan-Desasters ist noch lebendig. Nach einem Abzug der Russen wären Assads Tage gezählt. Bleibt also, ihn an der Macht zu halten und einen Übergangsprozess einzuleiten, bei dem Moskau mitredet, aber nie allein verantwortlich ist dafür, dass nichts dabei herauskommt.

Beispiele für dieses Modell gibt es in Russlands Nachbarschaft reichlich, die Ukraine ist nur das jüngste. Die Minsk-Gruppe zur Beilegung des Bergkarabach-Konflikts tritt schon seit einem Vierteljahrhundert auf der Stelle.

Der Westen wartet und hofft

Der Westen wartet und hofft, dass Moskau wieder zu den internationalen Regeln zurückkehrt, von denen Wladimir Putin sich mit der Annexion der Krim verabschiedet hat. Putin möchte stattdessen die Regeln ändern und eine neue Ordnung durchsetzen. Die Syrien-Verhandlungen könnten dafür ein Modell sein. Auf einer Konferenz des Verteidigungsministeriums im Frühjahr erklärten die Chefs von Sicherheitsrat, Geheimdienst und Militär entgegen der üblichen antiamerikanischen Rhetorik einmütig, der gemeinsame Kampf von Amerikanern und Russen gegen den IS könne als Vorbild für Zusammenarbeit auch auf anderen Gebieten dienen.

Die Allianz mit den Amerikanern wäre so gesehen nicht Mittel zum Zweck (Kampf gegen islamistische Terroristen), sondern umgekehrt: Der Einsatz ist das Mittel, Putins Ziel aber ist die gleichberechtigte Partnerschaft der Großmächte, die das Schicksal dritter Staaten und Regionen unter sich ausmachen.