Russland:Gift im System

Die Erkrankung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny ist ein Politikum, das zweifelsfrei aufgeklärt werden muss. Dazu braucht es eine neutrale Instanz und eine Behandlung außerhalb Russlands. Alles andere wird die Spekulationen niemals enden lassen.

Von Stefan Kornelius

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny liegt mit Vergiftungssymptomen im Krankenhaus, er kämpft um sein Leben. Mehr weiß man nicht, jede weitere Spekulation verbietet sich. Diese Angelegenheit ist viel zu ernst, als dass man sie dem Spiel mit der Wahrheit und dem Spin der Propagandisten anheimfallen lassen darf.

In dieser Angelegenheit gibt es eine eindeutige Begleitmusik: Die Zahl der mysteriösen Todesfälle missliebiger russischer Politiker, Aktivisten, Oligarchen oder sonstiger Figuren des Lebens außerhalb des zentralen Machtzirkels ist unbestritten hoch. Die Vorfälle ereignen sich in großer Regelmäßigkeit, viele Fensterstürze erreichen den internationalen Nachrichtenfluss nicht einmal.

Der russischen Führung stehen schwere Monate bevor. Die Corona-Pandemie hat das Land hart getroffen, die wirtschaftlichen Auswirkungen sind noch nicht abzusehen, in der Provinz regt sich bereits Protest. Nawalny ist die wichtigste Figur der Opposition. Seine Mobilisierungskraft ist ungebrochen. Seine Erkrankung ist deswegen ein Politikum, das zweifelsfrei aufgeklärt werden muss. Dazu braucht es eine neutrale Instanz und eine Behandlung außerhalb Russlands. Alles andere wird die Spekulationen niemals enden lassen.

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