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Mordfall im Tiergarten:Russland weist deutsche Diplomaten aus

Mord an Georgier in Berlin

Beamte sichern Spuren am Tatort im Tiergarten.

(Foto: Paul Zinken/dpa)
  • Russland weist zwei deutsche Diplomaten aus.
  • Hintergrund ist der Streit um die Ermittlungen über einen Mord an einem Georgier in Berlin.
  • Deutschland wirft Russland vor, bei den Ermittlungen nicht ausreichend zu kooperieren und hat vergangene Woche zwei russische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt.

Russland weist im Streit über einen mutmaßlichen Auftragsmord an einem Georgier in Berlin zwei deutsche Diplomaten aus. Die beiden haben sieben Tage Zeit, das Land zu verlassen, wie das Außenministerium in Moskau am Donnerstag mitteilte. Der deutsche Botschafter in Moskau war am Morgen ins Außenministerium einbestellt worden.

Vergangene Woche hatte das Auswärtige Amt in Berlin zwei russische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt. Hintergrund ist der Mord an einem Georgier im August in Berlin. Deutschland wirft Russland vor, bei den Ermittlungen in dem Mordfall nicht ausreichend zu kooperieren. Der Bundesanwaltschaft zufolge gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Mord entweder im Auftrag staatlicher Stellen der Russischen Föderation oder der Autonomen Tschetschenischen Republik verübt wurde.

Die russische Führung wies von Anfang an jeden Verdacht zurück. Nach der Ausweisung der beiden Diplomaten hatte der Kreml bereits angekündigt, Schritte einzuleiten. Präsident Wladimir Putin hatte eine "spiegelgenaue" Reaktion angekündigt.

Ein Tschetschene mit georgischer Staatsbürgerschaft war im August in einem kleinen Park in Berlin-Moabit getötet worden. Sein Mörder soll ihm auf einem Fahrrad gefolgt sein und ihm in den Kopf und in den Rücken geschossen haben. Die Polizei hatte einen Verdächtigen festgenommen, der versucht haben soll, die mutmaßliche Tatwaffe in einen Fluss zu werfen. Der Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Bisher hatte die Berliner Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt.

Der Getötete war im Zweiten Tschetschenienkrieg auf Seiten antirussischer Separatisten der sogenannten Tschetschenischen Republik Itschkerien aktiv. Er ging, wie auch viele andere der Kämpfer, ins Exil und lebte seit 2016 in Deutschland.

Putin hat den erschossenen Georgier als "Banditen" und "Mörder" bezeichnet. Den deutschen Behörden warf er vor, den Mann trotz entsprechender Gesuche nicht ausgeliefert zu haben. Aus der Bundesregierung hieß es, ein solches Ersuchen sei nicht bekannt. Die Auswirkungen auf die deutsch-russischen Beziehungen hatte Putin nach dem Ukraine-Gipfel in Paris heruntergespielt. Er glaube nicht, dass das Verhältnis beider Länder in eine Krise stürze. Aber gut sei das nicht für die Beziehungen, sagte er.

Mit Deutschland gab es zuletzt im Frühjahr 2018 einen diplomatischen Konflikt, als im Streit mit dem Westen um den vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal jeweils vier Botschaftsmitglieder ausgewiesen wurden.

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