Russland:Menschenrechtler: Fast 1400 Festnahmen bei Protesten

Gericht verurteilt Kremlgegner Nawalny

Truppen der russischen Nationalgarde auf dem Roten Platz, sie sollen Proteste verhindern.

(Foto: Pavel Golovkin/dpa)

Nach dem Urteil gegen den Kremlgegner Nawalny demonstrieren in Moskau und St. Petersburg Tausende Menschen. Kanzlerin Merkel fordert die Freilassung des Oppositionellen und verurteilt die Gewalt gegen Demonstrierende.

Bei den Protesten in Russland gegen die Verurteilung des Kremlgegners Alexej Nawalny hat es in der Nacht zum Mittwoch Menschenrechtlern zufolge fast 1400 Festnahmen in der Hauptstadt Moskau und in Sankt Petersburg gegeben. Bereits während der Gerichtsverhandlung am Dienstag war es zu ersten Festnahmen gekommen.

Ein Gericht in Moskau hatte den Oppositionellen am Abend zu dreieinhalb Jahren Straflagerhaft verurteilt, weil er aus Sicht der Richterin mehrfach gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren von 2014 verstoßen hat. Nach Darstellung seiner Anwälte wird ihm womöglich ein früherer Hausarrest angerechnet. Dann müsste er zwei Jahre und acht Monate in ein Straflager.

Nach der Urteilsverkündung gab es vor allem in Moskau und St. Petersburg Proteste von Tausenden Nawalny-Unterstützern. Die Sicherheitskräfte gingen mitunter gewaltsam gegen sie vor. Erst am vergangenen Sonntag hatte es Menschenrechtlern zufolge landesweit mehr als 5500 Festnahmen bei Demonstrationen für Nawalny gegeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte nach dem Urteil Nawalnys Freilassung. "Das Urteil gegen Alexey Nawalny ist fernab jeder Rechtsstaatlichkeit. @navalny muss sofort freigelassen werden", zitierte Regierungssprecher Steffen Seibert die Kanzlerin am Dienstagabend auf Twitter. Und weiter: "Die Gewalt gegen friedliche Demonstranten muss aufhören."

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nannte die Haftstrafe einen Verstoß Russlands gegen seine internationalen Verpflichtungen.

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Der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny wird für zwei Jahre und acht Monate ins Straflager geschickt. Vordergründig ging es bei dem Prozess um Verstöße gegen Bewährungsauflagen. Doch in Wahrheit ging es um Putin.

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