Russland:Anton Waino - der neue zweitmächtigste Mann im Kreml

Wladimir Putin ernennt Anton Waino zum neuen Stabschef MOSCOW RUSSIA - AUGUST 12 2016 Anton Vaino

Anton Waino, neuer Stabschef im Kreml.

(Foto: imago/ITAR-TASS)
  • Wladimir Putin hat Sergej Iwanow zum neuen Sonderbeauftragten für Umwelt und Transport ernannt. Die Entlassung Iwanows wird in Moskau als Zäsur verstanden.
  • Im russischen Staatsfernsehen teilt Putin mit, Iwanow habe von Anfang an den Wunsch geäußert, nicht länger als vier Jahre auf seinem Posten zu bleiben und scheide auf eigenen Wunsch aus der Präsidialverwaltung aus.
  • Sein bisheriges Amt in der Kreml-Administration übernimmt Anton Waino.

Von Julian Hans, Moskau

Ein 44-jähriger Mann, dessen Namen bisher nur wenige kannten, ist am Freitag ins zweitmächtigste Amt Russlands aufgerückt. Bei einem vom Staatsfernsehen übertragenen Treffen entließ Präsident Wladimir Putin seinen langjährigen Gefährten und engen Vertrauten Sergej Iwanow vom Posten des Leiters der Präsidialverwaltung.

Nach viereinhalb Jahren in diesem einflussreichen Amt soll der 63-jährige ehemalige KGB-General künftig als Sonderbeauftragter für Umwelt und Transport tätig sein. Neuer Leiter der Kreml-Administration wird Iwanows bisheriger Stellvertreter Anton Waino.

Der Wechsel kommt überraschend, fügt sich aber in eine Reihe von Entlassungen und Neuernennungen, mit denen Putin seit Monaten den Machtapparat umbaut. Schlüsselpositionen werden mit jüngeren, aber nicht weniger ergebenen Personen besetzt. Dabei ist Waino das erste neue Gesicht, das der Präsident nicht direkt aus den Geheimdiensten rekrutiert.

Ende Juli hatte Putin auf einen Schlag fünf Präsidialvertreter in den Regionen ausgewechselt und den Chef der Zollbehörde entlassen. An ihre Stelle traten Männer mit einer Vorgeschichte im sowjetischen KGB oder dessen Nachfolger FSB. Zum Gouverneur von Kaliningrad ernannte Putin Jewgenij Sinitschew, der viele Jahre als sein Leibwächter gedient hatte.

Die Entlassung Iwanows wird in Moskau als Zäsur in der Regierung Wladimir Putins verstanden. Anders als manche Unternehmer oder Berater, die bisweilen als "Putin-Vertraute" betitelt werden, gehörte der 63-Jährige tatsächlich von Anfang an zum engsten Zirkel.

Dass er sich höchste Ämter im Staat zutraute, wurde ihm zum Verhängnis

Nach einem Sprachstudium trat er 1975 in den sowjetischen Geheimdienst KGB ein und teilte sich in dessen Leningrader Zentrale ein Büro mit Wladimir Putin. Während dieser nur nach Dresden in ein sozialistisches Bruderland entsandt wurde, bekam Iwanow prestigeträchtigere Einsätze als Spion im kapitalistischen Finnland und in Kenia.

Als Putin im Juli 1998 von Boris Jelzin zum FSB-Direktor ernannt wurde, warb er Iwanow vom Auslandsgeheimdienst ab und machte ihn zu seinem Stellvertreter und während seiner ersten Amtszeit als Präsident auf dem Höhepunkt des Tschetschenien-Krieges zum Verteidigungsminister.

Dass Iwanow sich auch die höchsten Ämter im Staat zugetraut hätte, wurde ihm schon einmal zum Verhängnis. Als 2008 Putins zweite Amtszeit als Präsident auslief und er laut Verfassung nicht mehr antreten durfte, war Iwanow neben Dmitrij Medwedew der zweite Kandidat für das Amt. Der Putin-Biograf Michail Zygar glaubt, Iwanow habe sich damals zu siegesgewiss gegeben, schließlich führte er in Umfragen vor Medwedew.

Möglich, dass sich Putin damals gerade deshalb für den blassen Medwedew entschieden hat, der während seiner Zeit im Kreml seine Macht nicht allzu sehr festigen und den Sessel nach Aufforderung auch wieder räumen sollte. Möglich, dass diese Überlegung auch jetzt wieder eine Rolle bei der Absetzung Iwanows gespielt hat. Russische Medien erwarten von dem Wechsel, dass er die verbissenen Machtkämpfe zwischen unterschiedlichen Flügeln des Kreml etwas abkühlen könnte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema