bedeckt München 27°

Russische Punkband vor Gericht:"Wir und ihr gewinnen sowieso"

Schon vor dem Urteil hatten sie deutlich gemacht, dass sie mit einem Schuldspruch rechnen. "Wir werden Putin nicht um Gnade bitten", sagte etwa die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch der oppositionellen Zeitung Nowaja Gaseta. Ihre Bandkollegin Nadeschda Tolokonnikowa ergänzte: "Putin ist die Personifizierung alles Schlechten, Bösen und Unmoralischen, das es in der russischen Gesellschaft gibt."

Pussy Riot - Protest-Auftritt in Erlöserkathedrale in Moskau

"Pussy Riot" tanzen vor dem Altar der Christi-Erlöser-Kathedrale.

(Foto: dpa)

In einem Brief, der von ihrem Anwalt veröffentlicht wurde, schrieb Tolokonnikowa: "Ganz egal wie das Urteil lautet: Wir und ihr gewinnen sowieso. Wir und ihr gestalten derzeit eine große und wichtige politische Bewegung, und Putins System kann immer schwieriger damit umgehen." Auch ihre Band-Kollegin Aljochina hatte der Anklage in ihrem Schlussplädoyer entgegengehalten: "Ich habe keine Angst vor euch. Ich habe keine Angst vor euren Lügen, vor eurem notdürftig verschleierten Betrug und dem Urteil dieses sogenannten Gerichts. Alles, was ihr mir rauben könnt, ist die äußere Freiheit. Aber meine innere Freiheit könnt ihr mir nicht nehmen."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den Schuldspruch scharf kritisiert. "Das Urteil ist nicht nur der Versuch, die drei jungen Frauen zum Schweigen zu bringen", sagte Amnesty-Expertin Friederike Behr am Freitag in Berlin. "Es soll auch eine Warnung an alle anderen sein, die es wagen, Präsident Wladimir Putin und seine Regierung zu kritisieren." Auf Twitter machten zahlreiche Unterstützer der Punkband ihrer Enttäuschung über das Urteil Luft.

Weltweit verurteilten zahlreiche Politiker und Künstler das Verfahren als Versuch, Kritiker von Putin mundtot zu machen. Angela Merkel nannte das urteil "unverhältnismäßig hart". Es stehe nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, zu denen sich Russland unter anderem als Mitglied des Europarates ekannt habe, sagte die Kanzlerin.

In einer beispiellosen Solidaritätswelle hatten sich in zahlreichen Städten Unterstützer von Pussy Riot für eine Freilassung der Frauen stark. In Moskau hatte die Polizei das Gericht mit einem Großaufgebot abgeriegelt. Trotzdem versammelten sich dort zahlreiche Anhänger der Musikerinnen. Die Polizei nahm ungefähr 30 Demonstranten fest, darunter auch die Oppositionsführer Garri Kasparow und Sergej Udalzow.