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Russisch-kubanische Beziehungen:Fast wie im Kalten Krieg

Mutet amerikanisch an: Das Kapitol in der kubanischen Hauptstadt Havanna.

(Foto: AP)
  • Russland intensiviert seine Beziehungen zu Kuba.
  • Die Karibik-Insel ist für den Kreml geopolitisch interessant.
  • In den USA und auf Kuba selbst sieht man den wieder erstarkenden Einfluss Russlands teilweise mit großer Sorge.

An nur wenigen Orten Kubas ist der Glanz vergangener Tage so gut spürbar wie am Kapitol im Herzen Havannas. Der Prachtbau aus Marmor wirkt zwar wie eine Kopie des Kapitols in Washington, aber - und darauf sind viele Kubaner sehr stolz - er überragt das amerikanische Vorbild um einige Meter. Ringsum das Wahrzeichen der Stadt dominiert hingegen der Verfall. Die ehemals bunten Fassaden sind verblasst, der Putz bröckelt und aus den Wänden ragen rostige Metallstreben. Weite Teile Havannas sind baufällig. Seit Jahren auch die Kuppel des Kapitols, sie ist marode und muss dringend saniert werden.

Die russische Regierung will die alte Kuppel nun restaurieren. Ein staatliches Bauunternehmen hat Pläne entworfen, damit der Prachtbau bald wieder in der karibischen Sonne erstrahlt. Das Engagement des Kreml am Kapitol steht für ein Phänomen: Moskau unterstützt seinen alten Verbündeten aus Sowjetzeiten in letzter Zeit immer häufiger. Erst vergangene Woche bat Kuba Russland um Unterstützung bei der Modernisierung der Rüstungsindustrie. Kubanischen Medienberichten zufolge erklärte sich das russische Staatsunternehmen Rosoboronexport dazu bereit.

"Es kann in letzter Zeit eine Intensivierung der Beziehungen zwischen Russland und Kuba festgestellt werden", sagt Alexandra Sitenko, die zu den russisch-kubanischen Beziehungen an der Universität Leipzig forscht. In Washington und in Havanna sehen das viele mit Sorge. Die international bekannte kubanische Journalistin Yoani Sanchez betrachtet Russlands verstärktes Engagement auf Kuba als Gefahr. In einem Gastbeitrag in der spanischen Tageszeitung El País schreibt sie: "Der Kalte Krieg wird in Lateinamerika wiedergeboren". Während US-Präsident Donald Trump sich für Kuba und die ganze Region nicht besonders interessiere, gewinne Russland dort immer stärker an Bedeutung.

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Auch in den Vereinigten Staaten machen sich einige ernsthafte Sorgen, wenn sie auf die Geschehnisse auf der benachbarten Insel blicken. US-Senator Patrick Leahy befürchtet durch die neue Partnerschaft zwischen Kuba und Russland "schwerweigende Folgen für die nationale Sicherheit der USA".

Davor warnt auch das "American Security Project", eine Nichtregierungsorganisation, die vom ehemaligen amerikanischen Außenminister John Kerry und dem ehemaligen Verteidigungsminister Chuck Hagel gegründet wurde. In einem Brief an die amerikanische Regierung appellierte sie im April, dass Trump die Annäherungspolitik mit der Castro-Insel nicht stoppen dürfe. Andernfalls könne ein "wirtschaftliches und geopolitisches Vakuum" in unmittelbarer Nähe zu den USA entstehen, das Russland ausfüllen könnte.

Trotz der Bedenken beendete US-Präsident Donald Trump im Juni die Annäherung mit Kuba. Für die Regierung in Moskau könnte die Karibik-Insel dadurch attraktiver werden. "Immer da, wo Amerika schwach ist, gehen die Russen rein", sagt Stefan Meister, Russland-Experte von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

Während des Kalten Kriegs waren Kuba und Russland enge Verbündete. Die Sowjetunion unterstütze bis zu ihrem Zusammenbruch ihren kommunistischen Partner massiv mit Öl-Lieferungen und finanziellen Zuwendungen. In den 1990er Jahren ließ der Kreml den Kontakt nach Kuba abbrechen. "Russland hat mittlerweile eingesehen, dass dies ein Fehler war", sagt Alexandra Sitenko von der Universität Leipzig.