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Russen wählen neues Parlament:Tandem aus dem Tritt

Rückschlag bei der Parlamentswahl: Die Rechnung des Tandems Putin und Medwedjew ist nicht aufgegangen. Von seiner neuerlichen Kandidatur um das Präsidentenamt wird sich Putin dadurch nicht abbringen lassen, aber Russlands starker Mann ist nicht mehr unantastbar.

Es hat alles nicht gereicht: das Bedrängen der Wähler, die geballte Kampagne der russischen Staatsgewalt, ja nicht einmal das allmächtige Gespann aus Präsident und Premier. Einiges Russland ist der Sieger der Parlamentswahl - und doch der große Verlierer. Das Tandem Wladimir Putin und Dmitrij Medwedjew, das allein sich zum Garanten der Zukunft Russlands stilisiert hat, ist aus dem Tritt geraten. Die Zweidrittelmehrheit im Parlament, sie ist fort.

Es wäre interessant, wie denn die in ganz Russland dominierende Partei ohne die freche Einflussnahme abgeschnitten hätte. Aber auch so ist der Trend deutlich genug: Die Herrschaft der Regierungspartei ist gestutzt geworden, das Fundament der Putin'schen Macht brüchiger denn je. Der Aufwand für den Sieg, wie ehrlich oder unehrlich er auch immer zustande kam, ist um vieles größer geworden.

Der Parteivorsitzende sollte seine Lehren daraus ziehen, aber seine Kandidatur für das Präsidentenamt wird Putin nicht in Frage stellen. Um Kontrolle geht es dem künftigen Präsidenten, und die wird er trotz der schweren Verluste behalten.

Eine echte Opposition gibt es auch in der nächsten Duma nicht, denn kritisch- liberal im westlichen Verständnis ist keine der Parteien, die in das neue Parlament einziehen. Und doch dürfte sich das Volk im Angesicht der Ergebnisse nun ermuntert fühlen, das Establishment weiter zu kritisieren - heftiger und mutiger.

Auch Putin selbst ist keinesfalls mehr unantastbar. Denn die Selbstgefälligkeit, die viele Russen in der Regierungspartei sehen, ist auch ein Spiegel der russischen Führung. Putin muss diese Signale hören. Denn schon im März geht es nicht mehr um seine aufgeblasene Partei. Dann steht er selber zur Wahl.