Rücktritt von Matthias Platzeck in Brandenburg:Abschied ohne Gefühlsduselei

Tränen gibt es keine: Matthias Platzeck dimmt im Brandenburger Landtag die Emotionen herunter und verzichtet fast komplett auf Eigenlob. Wichtiger scheint dem scheidenden SPD-Ministerpräsidenten eine Entschuldigung.

Von Antonie Rietzschel, Potsdam

Von der CDU gibt es Schokolade und von den Linken eine kleine Plastikschubkarre. Die Grünen überreichen Matthias Platzeck moosgrüne Gummistiefel für den Garten. "Die Hochwasserstiefel muss er ja dem Nachfolger überlassen", sagt der grüne Fraktionsvorsitzende. Elf Jahre war Matthias Platzeck Ministerpräsident in Brandenburg, nun hat er nach seiner offiziellen Rücktrittserklärung einen neuen Sitzplatz: SPD-Fraktion, erste Reihe, ganz rechts außen. Vor ihm stapeln sich Abschiedsgeschenke und Blumensträuße - und Matthias Platzeck lächelt. Es wirkt etwas gequält, aber immerhin gibt es keine Tränen.

Für die brandenburgische SPD bedeutet der Rücktritt des 59-Jährigen einen großen Verlust, er galt als Garant für Wahlsiege. Insgesamt hat er 23 Jahre die Politik im Land geprägt - erst als Umweltminister, dann als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam und schließlich als Landesherr. Es ist ein emotionaler Moment für alle, als er ans Rednerpult tritt.

Platzeck könnte jetzt noch mal richtig loslegen, doch stattdessen dimmt er die Gefühle herunter. Seine Rede ist kurz und schlicht, er trägt sie ruhig mit sonorer Stimme vor. Brandenburg sei mal ein Land gewesen, in dem sich 100.000 Menschen eine neue Arbeit suchen mussten, viele hätten das Bundesland verlassen. "Doch das liegt hinter uns. Brandenburg ist ein starkes Land."

Ein Lob auf Gemeinsinn und Solidarität

Nur ganz kurz tippt er seine politischen Erfolge an: Dass das Land keine neuen Schulden aufgenommen habe oder die gesenkte Arbeitslosigkeit. Doch viel wichtiger sind Platzeck Errungenschaften wie Gemeinsinn und Solidarität - ihnen räumt er in seiner Rede den größten Platz ein. Dann bittet Platzeck zwei Abgeordnete um Verzeihung, mit denen er sich regelmäßig Scharmützel im Landtag geliefert hatte. Er habe da wohl auch etwas über die Stränge geschlagen. "Ihre Anträge waren einfach zu gut", witzelt er. Gelächter im Parlament.

Der SPD-Politiker wird wieder ernst. "Meine gesundheitliche Situation ist, wie sie ist. Es gibt einen ärztlichen Rat und den Wunsch der Familie, aus der Siebentageswoche eine Fünftageswoche zu machen." Dieser Gedanke lässt ihn offenbar zaudern. Denn sofort räumt er ein, dass es vielleicht auch eine Sechstageswoche sein könnte. "Ich baue schon mal vor."

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