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Rücktritt von Matthias Platzeck:Der unmögliche Versuch, mit den Kräften zu haushalten

Er war neben den Sellerings, Haseloffs und Tillichs einer der wenigen Ministerpräsidenten im Osten, die auch bundesweit ein Begriff waren. Der Rücktritt von Matthias Platzeck trifft die SPD in Brandenburg hart. Doch was wäre in seiner Lage die Alternative gewesen?

Es geht nicht mehr. Matthias Platzeck konnte nur noch zwischen einer ungünstigen und einer sehr ungünstigen Entscheidung wählen. Keine Partei wechselt gern zwei Monate vor der Bundestags- und ein Jahr vor der Landtagswahl den Ministerpräsidenten aus, erst recht nicht, wenn sie dank dieses Mannes in den Umfragen vorne liegt.

Aber was wäre die Alternative gewesen? Bis zum 23. September allfälligen Fragen ausweichen, dann verkünden, was unvermeidbar war und es so wie ein billiges taktisches Manöver aussehen lassen?

Für die Bundes-SPD ist der Rücktritt eher zu verschmerzen. Zwar war Platzeck neben den Sellerings, Haseloffs und Tillichs einer der wenigen Ministerpräsidenten im Osten, die auch bundesweit ein Begriff waren. Aber er hat davon schon lange keinen Gebrauch mehr gemacht. Nach dem Rückzug vom SPD-Bundesvorsitz im Jahr 2006 mischte Platzeck sich kaum noch in Nicht-Brandenburgisches ein; Regierungs- sowie SPD-Landeschef und dann vor allem der Aufsichtsratsposten beim Flughafen BER - das sind Jobs, in denen auch gesunde Menschen nicht gesünder werden.

Dieser Abgang enthält auch eine Botschaft an jene, die Politiker für bequem, überbezahlt oder abgehoben halten. Hier wird offenbar, was Politik für die Akteure doch oft ist: der unmögliche Versuch, mit den eigenen Kräften zu haushalten. Jetzt hat es mal einer offen zugegeben.