Rücktritt von Kiels Oberbürgermeisterin Gaschke Gescheitert an sich selbst

Die Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke wollte nach dem Motto regieren: Allein gegen die Mafia. Das konnte nicht gut gehen. Kommunalpolitik ist kein Ponyhof, aber auch nicht das Reich von sizilianischen Paten.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Sie wollte selber entscheiden, nicht mehr nur über Entscheidungen anderer schreiben: Deshalb wechselte sie 2012 den Beruf, deshalb wurde aus der Hamburger Journalistin Gaschke die Kieler Oberbürgermeisterin Gaschke.

Sie hat dann schnell entschlossen über einen Steuererlass entschieden - und ist an dieser Entscheidung gescheitert. Ihre furios gereizte, nervenverlorene Rücktrittserklärung zeigt freilich, dass diese Steuerentscheidung nicht Ursache, sondern nur Anlass für ihr Scheitern war. Gescheitert ist sie auch und vor allem an sich selbst.

Gescheitert ist Susanne Gaschke daran, dass sie in einer Welt alles besser wissen wollte, in der sich die anderen auch nicht für ganz blöd halten. Gescheitert ist sie daran, dass sie nicht gut konnte, was ein guter Politiker können muss: Rat einholen, Bündnisse schließen, Kritik aushalten.

Sie wollte regieren nach dem Motto: Allein gegen die Mafia. Das konnte nicht gut gehen. Erstens, weil die anderen zwar Gegner, aber nicht kriminell sind; zweitens, weil auch die Starke allein zu schwach ist; drittens, weil man sich schnell verfolgt wähnt, wenn man glaubt, es mit einer Mafia zu tun zu haben. Kommunalpolitik ist kein Ponyhof, aber auch nicht das Reich von sizilianischen Paten.

Es ist sehr schade und sehr bitter, dass ein Experiment gescheitert ist: Politik braucht Quereinsteiger. Zu den Qualifikationen des Quereinsteigers gehört aber nicht das Querulieren.