Romney legt Steuererklärung vor Wie man auf 20 Millionen Dollar 14 Prozent Steuern zahlt

Die Partei der Reichen hadert mit ihrem reichsten Kandidaten: Mitt Romney veröffentlicht seine Steuererklärung - und liefert jenen neues Futter, die den republikanischen Kandidaten als superreiche "Heuschrecke" kritisieren. Sein Steuersatz liegt um die Hälfte niedriger als der seines Verfolgers Newt Gingrich - dank der US-Gesetze, die nett zu Kapitalisten sind.

Von Jannis Brühl

Wer richtig reich werden will, sollte es mit private equity probieren. Damit gemeint sind jene Kapitalgesellschaften, aus deren Chefetagen sich in den vergangenen Jahrzehnten ein immer größerer Teil von Amerikas Superreichen rekrutiert. Einer von ihnen ist Mitt Romney, ehemaliger Chef der Private-Equity-Firma Bain Capital und aussichtsreichster Kandidat der Republikaner für die amerikanische Präsidentenwahl im Herbst.

Millionäre unter sich: Newt Gingrich (r.) und Mitt Romney am Montag während der Fernsehdebatte in Tampa, Florida.

(Foto: REUTERS)

Lange schien ihm die Nominierung sicher, doch seine Gegner haben seinen Schwachpunkt entdeckt: sein Geld. Sie porträtieren ihn als abgehobenen Krösus, der mit den Sorgen der Durchschnittsamerikaner nichts anfangen kann. Unter diesem Druck hat er jetzt seinen Steuersatz öffentlich gemacht. Um den dürften ihn viele Amerikaner beneiden: Auf ein jährliches Einkommen von mehr als 20 Millionen Dollar zahlte er 2010 13,9 Prozent Steuer. 2011 waren es 15,4 Prozent.

Romneys Reichtum könnte ihm zum Verhängnis werden. Sein lange sicher geglaubter Sieg im Rennen um die Kandidatur scheint in Gefahr, seit Gingrich ihn am Wochenende deutlich in South Carolina geschlagen hat.

2010 verdiente er 21,7 Millionen, Dollar, etwa drei Millionen führte er als Steuern ab. Im vergangenen Jahr kam er nicht ganz so billig weg und zahlte auf 20,9 Millionen Dollar Einkommen 3,2 Millionen Dollar Steuern, berichtet die Washington Post, deren Reporter die Steuererklärung schon zu Gesicht bekommen haben.

Der Multimillionär zahlt damit anteilsmäßig deutlich weniger Steuern als sein härtester Kontrahent Gingrich, der 31 Prozent zahlte. Der amtierende Präsident Barack Obama veröffentlichte vor der Wahl 2008 seine Steuererklärungen der vergangenen sechs Jahre. Für 2010 gab er einen Satz von 26 Prozent an.

Romney steht wegen seiner früheren Investmenttätigkeiten unter Beschuss. Seine Rivalen hatten ihm vorgeworfen, sich als Chef von Bain Capital an Firmen bereichert zu haben. Romney argumentiert hingegen, in seiner Funktion Zehntausende Jobs geschaffen zu haben. Auch sein persönliches Verhältnis zu Geld ist immer wieder Thema in den Medien - unter anderem, weil er Konkurrent Rick Perry während einer Fernsehdebatte eine Wette um 10.000 Dollar anbot, als wäre es nichts.

Wie kann Romney mit einem so niedrigen Steuersatz davonkommen? Die Antwort findet sich in der niedrigen Kapitalertragssteuer der Vereinigten Staaten. Sie beträgt auf langfristige Kapitalerträge maximal 15 Prozent. In Deutschland sind es 25 Prozent auf Zinsen und Aktiengewinne. Romneys Einkommen setzt sich fast ausschließlich aus Aktiengewinnen und Zinsen zusammen - kein Cent kommt aus normalem Gehalt von einem Arbeitgeber. Das ist völlig legal, zeigt aber auch, wie Amerikas Finanzelite ihr Geld macht.

Das Vermögen des ehemaligen Gouverneurs von Massachusetts wird auf mehr als 250 Millionen Dollar geschätzt. Seine Investments bringen ihm mehr als 20 Millionen jährlich. Sieben Prozent Rendite in wirtschaftlich schweren Zeiten - das sei nicht schlecht, kommentiert Kevin Drum vom US-Magazin Mother Jones ironisch: "Wenn es darum geht, große Töpfe mit Geld zu managen, hat Romney seine alte Magie nicht verloren."