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Romney erzürnt die Briten:"England ist nur eine kleine Insel"

Palin hatte ihre außenpolitische Kompetenz im Wahlkampf 2008 mit der These zu untermauern versucht, sie könne Russland von ihrem Haus in Alaska aus sehen. Palin war Vize-Präsidentschaftskandidatin des Republikaners John McCain, der auch Mitt Romney als running mate in Augenschein genommen hatte, aber davon absah. Womöglich, unken jetzt britische Medien, weil Romney außenpolitisch noch schlimmer auftritt als Palin.

London 2012 - Olympische Spiele

Präsidentschaftskandidat Romney wollte sich mit seinem Besuch in Großbritannien eigentlich als versierter Außenpolitiker profilieren, trat aber in einige Fettnäpfchen.

(Foto: dpa)

Sein demokratischer Konkurrent Barack Obama hat auf diesem Feld einigen Vorsprung. "Er hat Bin Laden erwischt und stand auf der richtigen Seite des Arabischen Frühlings", schwärmt die New York Times. Romney setzte dem bislang allenfalls beredtes Schweigen entgegen. (Mehr zu seiner Unauffälligkeit in diesem SZ-Kommentar.)

Die Auslandsreise nach Großbritannien, Polen und Israel war als Versuch gewertet worden, außenpolitisch an Profil zu gewinnen. Wie schlimm ist es für Romney, dass er den Auftakt versemmelt hat?

"Die Amerikaner sind hin- und hergerissen"

Die republikanischen Stammwähler scheinen von Außenpolitik unbeeindruckt, einerseits. Das legt zumindest eine Umfrage vom Januar nahe, wonach 81 Prozent der Befragten von Präsident Barack Obama verlangten, sich in erster Linie um Innenpolitik zu kümmern. Die Wirtschaft werde die Wahl entscheiden, hieß es damals. Daran wagt auch heute kaum ein Experte zu zweifeln.

Andererseits sind viele Amerikaner - und gerade die Republikaner - besorgt, ihre Heimat könne ihren Status als Supermacht verlieren und von anderen Nationen dominiert werden. "Die Amerikaner sind hin- und hergerissen", schrieb die New York Times vergangenes Jahr. "Sie sind kriegsmüde. Sie wollen Jobs. Aber gleichzeitig wurmt sie das Gerede vom Abstieg Amerikas und Aufstieg Chinas. Sie wollen einen Präsidenten, der für amerikanische Größe einsteht."

Stolperfallen der Vergangenheit

Mit Größe hatte Romneys Auftritt in London wenig zu tun. Der Republikaner muss darauf hoffen, dass ihm die Patzer in der Heimat als Kauzigkeiten durchgehen. Bei den kommenden Stationen in Polen, wo es um den US-Rivalen Russland gehen wird, und in Israel, wo der gesamte Nahostkonflikt auf ihn wartet, darf sich Romney derlei Auffälligkeiten nicht erlauben.

Seine Berater sind aufgerufen, vor der Weiterreise Vorsicht walten zu lassen. Stolperfallen stecken auch in der Vergangenheit, etwa in Romneys Buch No Apology aus dem Jahr 2010. Über Großbritannien heißt es dort:

"England ist nur eine kleine Insel mit kleinen Straßen und kleinen Häusern. Es produziert mit wenigen Ausnahmen keine Dinge, die Menschen im Rest der Welt kaufen möchten. Wenn es nicht vom Wasser umgeben wäre, wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit Hitler zum Opfer gefallen."