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Roland Jahn soll auf Marianne Birthler folgen:Das Gefühl, nicht alleingelassen zu werden

Auch die Haft kann seinen Drang nach Gerechtigkeit nicht bremsen: Jahn widerruft seinen Ausreiseantrag, den er im Gefängnis gestellt hat, und wird nach seiner Entlassung Mitbegründer der Oppositionsgruppe "Friedensgemeinschaft Jena". Das Regime hat ihn satt. Am 8. Juni 1983 wird Roland Jahn in Knebelketten und gegen seinen Willen in die Bundesrepublik ausgebürgert und abgeschoben.

Er zieht nach Berlin-Kreuzberg. In der Folgezeit unterstützt er die DDR-Opposition von der BRD aus: Jahn besorgt Druckmaschinen und Videokameras, er vermittelt Kontakte zwischen Oppositionellen und dem Westen - zu Politikern, Journalisten, Diplomaten. Er gibt Informationen über die Aktivitäten der DDR-Oppositionsbewegung und über staatliche Repressionsmaßnahmen an die Presse weiter.

"Ich habe Kameras gekauft und an Freunde in den Osten geschickt, die damit dann zum Beispiel Mülldeponien gefilmt haben", erzählt er in einem Interview mit dem RBB. Ein ganzes Netz an Schmuggelwegen habe ihm dabei geholfen.

"Diese Beiträge haben etwas verändert", sagt er im Nachhinein. "Sie haben den Menschen die Augen geöffnet für Dinge, die direkt um sie herum geschahen." Er begründet in dem Interview sein damaliges Engagement damit, dass er als DDR-Bürger erfahren habe, wie wichtig Informationen aus dem Westen sind. Das TV-Magazin Kontraste, das viele seiner Beiträge ausgestrahlt hat, habe den Menschen in der DDR Halt gegeben: "Da kümmerte sich jemand und vermittelte das Gefühl, nicht alleingelassen zu werden."

Die Stasi sieht seine Arbeit für das Westfernsehen nicht gern - auch nach seiner Ausbürgerung lässt sie ihn nicht in Ruhe. Sein Telefon wird abgehört, Spitzel lassen ihn nicht aus den Augen.

Als die Mauer fällt und Wolf Biermann erstmals wieder in die DDR einreist, ist Roland Jahn dabei. Er dokumentiert und begleitet in der folgenden Zeit die Auflösung des MfS in Berlin und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur journalistisch, 2005 wird ihm dafür der Bürgerpreis zur deutschen Einheit verliehen.

Seit 1991 arbeitet der Journalist fest beim Berliner TV-Politikmagazin Kontraste. Seit 1996 sitzt der Bürgerrechtler im Beirat der Robert-Havemann-Gesellschaft, seit 1999 ist er im Fachbeirat der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur tätig. 1998 wird Roland Jahn das Bundesverdienstkreuz verliehen.