bedeckt München 20°

USA:Trump bewahrt seinen Vertrauten Stone vor dem Gefängnis

Roger Stone reacts after Trump commuted his federal prison sentence in Fort Lauderdale

Roger Stone feiert den Hafterlass in Fort Lauderdale.

(Foto: REUTERS)

Stone war in der Russland-Affäre verurteilt worden. Kurz vor dem geplanten Antritt seiner Haftstrafe erklärt das Weiße Haus, dass er nun ein freier Mann sei.

US-Präsident Donald Trump hat seinem in der Russland-Affäre verurteilten Vertrauten Roger Stone die Gefängnisstrafe erlassen. "Roger Stone ist jetzt ein freier Mann!", teilte das Weiße Haus mit. Der zu mehr als drei Jahren Haft Verurteilte wäre im Gefängnis einem ernsthaften medizinischen Risiko ausgesetzt gewesen, hieß es weiter. Die Verfolgung Stones und das "ungerechte Urteil" gegen den 67-Jährigen hätten Trump auch zu seiner Entscheidung bewogen. "Roger Stone hat bereits sehr gelitten. Er wurde sehr ungerecht behandelt, wie viele andere in diesem Fall." Demokraten kritisierten die Entscheidung scharf und warfen dem Präsidenten Amtsmissbrauch vor.

Stone selbst sagte der Nachrichtenagentur AP, dass der Präsident ihn telefonisch über die Umwandlung seiner Strafe informiert habe. "Der Präsident sagte mir, dass er finde, dass mein Prozess unfair gewesen sei", ergänzte Stone in einem Telefonat aus Fort Lauderdale in Florida. Er habe sich dafür bedankt und lasse jetzt die Sektkorken knallen.

In der Russland-Affäre hatte FBI-Sonderermittler Robert Mueller die Vorwürfe zu illegalen Beziehungen zwischen dem Trump-Wahlkampfteam - mit dem auch Stone zusammenarbeitete - und Vertretern Russlands untersucht. In der im Frühjahr vergangenen Jahres abgeschlossenen Untersuchung fand Mueller keine Belege dafür, dass es vor der Wahl 2016 Geheimabsprachen zwischen dem Trump-Wahlkampfteam und Vertretern Russlands gegeben habe. Eine Behinderung der Ermittlungen der Justiz durch Trump schloss Mueller in seinem Bericht nicht aus.

Stone hoffte wohl bereits auf Trump

Stone allerdings war im Februar wegen Vergehen im Zusammenhang mit der Affäre zu einer Haftstrafe von mehr als drei Jahren verurteilt worden. Eine Jury sah es als erwiesen an, dass er sich im Zusammenhang mit Kontakten zur Enthüllungsplattform Wikileaks unter anderem der Falschaussagen, der Behinderung von Ermittlungen und der Beeinflussung von Zeugen schuldig gemacht hat. Stone hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Wegen der Schwere von Stones Vergehen hatten die Ankläger dem Bundesgericht in Washington eine Haftstrafe von sieben bis neun Jahren Gefängnis empfohlen. Im Anschluss hatte Trump seiner Wut auf Twitter Luft gemacht, das vorgeschlagene Strafmaß scharf kritisiert und von einer "Verfehlung der Justiz" gesprochen. Aus Trumps Sicht ist Stone ein Opfer der "illegalen" Russland-Ermittlungen. Der Präsident sieht sich selbst als eines der größten Opfer dieser "Hexenjagd".

Spekulationen, wonach Trump Stone begnadigen könnte, hielten sich hartnäckig. Normalerweise stellt sich das Justizministerium nicht gegen Empfehlungen von Staatsanwälten. Nach Trumps Äußerungen hatte die Behörde allerdings erklärt, der Vorschlag der Ankläger sei "exzessiv und ungerechtfertigt". Stone hatte nach Medienberichten noch kurz vor der Verkündigung der Entscheidung mit seiner möglichen Begnadigung geliebäugelt. In Richtung Trumps sagte er laut NBC-Journalisten Howard Fineman: "Er weiß, dass ich unter enormem Druck stand, mich gegen ihn zu wenden. Das hätte meine Situation erheblich erleichtert. Aber ich habe es nicht getan."

"Ich schwelge in eurem Hass, denn wenn ich nicht effektiv wäre, würdet Ihr mich nicht hassen"

Der Exzentriker Stone mit seinen schlohweißen Haaren gilt als eine der schillerndsten Figuren in der amerikanischen Politik. Seit Jahrzehnten zog er aufseiten der Republikaner hinter den Kulissen viele Fäden und schreckte auch nicht vor "dreckigen Tricks" zurück, wie er selbst zugibt. Als Verehrer von Richard Nixon hat der 67-Jährige sogar ein Tattoo des ehemaligen Präsidenten auf seinem Rücken, das er bei einer beliebten Netflix-Dokumentation über sein Leben selbst zeigte.

Seine zahlreichen Feinde bezeichnete Stone als "Verlierer" und hatte stets eine klare Botschaft an sie: "Ich schwelge in eurem Hass, denn wenn ich nicht effektiv wäre, würdet Ihr mich nicht hassen". Zu den Gerichtsterminen in jüngster Vergangenheit erschien Stone gerne mit einem süffisanten Lächeln auf dem Gesicht. Trump beriet er als schon seit Jahrzehnten.

Die Stellungnahme des Weißen Hauses vom Freitag las sich bemerkenswert feindselig und griff die Russland-Ermittlungen noch einmal scharf an. "Diese Anschuldigungen waren das Produkt von Rücksichtslosigkeit, die von Frustration und Bosheit getragen wurde", hieß es. "Aus diesem Grund hatten die außer Kontrolle geratenen Staatsanwälte von Mueller, die verzweifelt nach spritzigen Schlagzeilen suchen, um eine fehlgeschlagene Untersuchung zu kompensieren, Herrn Stone ins Visier genommen."

Die Demokraten reagieren empört

Scharfe Kritik an der Entscheidung Trumps kam vom Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Adam Schiff. "Stone hat gelogen und Zeugen eingeschüchtert", schrieb er auf Twitter. "Mit Trump gibt es jetzt zwei Justizsysteme in Amerika: eines für Trumps kriminelle Freunde und eines für alle anderen." Zuletzt hatte ein Ermittler aus Robert Muellers Team vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses ausgesagt, dass Stone wegen seiner Nähe zu Trump von der US-Justiz begünstigt würde. "Ich habe - wiederholt - gehört, dass Roger Stone wegen seiner Beziehung zum Präsidenten anders als alle anderen Angeklagten behandelt wurde", sagte Staatsanwalt Aaron Zelinsky.

Stone ist nur das jüngste Beispiel für politische Entscheidungen der Regierung, die Trumps Freunden zugute kommen. Im Mai hatte das Justizministerium beantragt, die Vorwürfe gegen den ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Auch Flynn war in die Russland-Affäre verstrickt. Zuletzt hatte der prominente New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman sein Amt im Machtkampf mit der Regierung niedergelegt. Berman hatte auch gegen Mitarbeiter Trumps ermittelt.

© SZ.de/AP/dpa/jsa/saul
U.S. President Trump departs Washington for travel to Florida at Joint Base Andrews in Maryland

SZ Plus
USA
:Ein Land vor dem doppelten Kollaps

Weil Donald Trump es nicht mehr schafft, die dramatischen Corona-Fallzahlen schönzureden, setzt er auf eine neue Wahlkampfstrategie. Doch selbst das täuscht kaum mehr darüber hinweg, dass in Trumps USA nichts mehr großartig ist.

Von Alan Cassidy

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite