Röttgen-Rauswurf – Christian Wulff

Die Karriere

Das Wort Berufspolitiker schien für den 1959 geborenen Wulff erfunden worden zu sein: Im Alter von 15 Jahren tritt er in die CDU ein, mit 34 Jahren kandidiert er 1994 zum ersten Mal gegen Ministerpräsident Gerhard Schröder von der SPD an. Er verliert diese und auch die darauf folgende Wahl. Erst 2003 kann Wulff sich durchsetzen und wird Ministerpräsident von Niedersachsen. Fiel Wulff als junger CDU-Politiker noch mit einer rhetorische klaren Kante und Mut zur Kritik auf, gewöhnte er sich als Landesvater eine wohlige, fast kuschelige Sprache an. Obwohl an ihn in aller Regelmäßigkeit und von allen Seiten die Kanzlerschaft herangetragen wird, gab Wulff stets den bescheidenen Provinzfürsten. Als "Herzbuben der deutschen Politik" bezeichnete ihn der Spiegel. Nach dem überraschenden Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler am 31. Mai 2010 wird Wulff Anfang Juni als schwarz-gelber Präsidentschaftskandidat vorgestellt. Seine Wahl wird zur Zitterpartie, als SPD und Grüne mit Joachim Gauck einen Gegenkandidaten präsentieren, für den auch Politiker aus Union und FDP unverhohlen Sympathie zeigen. Erst im dritten Wahlgang kann Wulff sich bei der Abstimmung in der Bundesversammlung am 30. Juni gegen Gauck durchsetzen - eine Schlappe für ihn, aber auch für die Kanzlerin. Ein Zeichen auf den rasanten Absturz des einstigen Aufsteigers?

Die Gründe für den Rücktritt

Nur 20 Monate nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten folgt im Februar der tiefe Sturz, als Wulff nach wochenlangen Debatten um mögliche Vorteilsnahme zurücktritt. Es geht um zinsgünstige Darlehen, gesponserte Urlaube und vor allem um die Aufhebung seiner Immunität wegen Verdachts der Vorteilsannahme durch die Staatsanwaltschaft. Wulffs Nachfolger wird der parteilose Joachim Gauck.

Was macht er künftig?

Mitte März hatte auch "Alt"-Bundespräsident Christian Wulff nach seiner Rücktrittserklärung Ruhe in der Abgeschiedenheit eines Klosters gesucht. Inzwischen bezog er knapp zwei Kilometer vom Schloss Bellevue entfernt sein neues Büro. Nach Informationen der Magazins Focus arbeiten in den drei Räumen gegenüber der britischen Botschaft in der Berliner Wilhelmstraße seit Mitte April eine Büroleiterin und eine Sekretärin. Außerdem stehe dem 52-Jährigen ein Chauffeur zur Verfügung. Die Ausstattung Wulffs ist umstritten, weil gegen ihn die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch die Tatsache, dass ihm ein Ehrensold von knapp 200.000 Euro pro Jahr bis zum Lebensende zusteht, rief Kritik hervor.

Bild: ddp 16. Mai 2012, 18:362012-05-16 18:36:00 © sueddeutsche.de/aho/ehr