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Zum Tod von Robert Mugabe:Er begann als Freiheitskämpfer und endete als Tyrann

Robert Mugabe 2008 in Johannesburg

Robert Mugabe, hier auf einem Gipfeltreffen der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika in Johannesburg 2008, war von 1987 bis 2017 Simbabwes Präsident.

(Foto: Mike Hutchings/Reuters)

Zu Beginn seiner Zeit an der Macht galt der Ex-Guerillero noch als Vorbild, Richard von Weizsäcker lobte ihn als einen "besonnenen Politiker". Nichts könnte weiter weg sein von der Wahrheit, wie Mugabe in 37 Herrschaftsjahren gezeigt hat.

"Nur Gott, der mich ins Amt gebracht hat, kann mich auch wieder entfernen", hat Robert Mugabe einmal gesagt. Es war ein Satz, den ihm viele glaubten in Simbabwe, das er nach der Unabhängigkeit 1980 für 37 Jahre regierte. Viele Menschen hatten nie einen anderen Staatschef erlebt, Mugabe war lange der älteste Präsident der Welt, ein inoffizieller Ehrentitel, der ihm nur schwer zu nehmen war. Die Sache mit Gott schien deshalb Sinn zu ergeben. Letztlich war es dann aber nicht Gott, der ihn aus dem Amt kegelte, sondern ein paar seiner eigenen Generäle. Sie putschten im November 2017 gegen ihn, weil Mugabe seine Frau Grace zu seiner Nachfolgerin machen wollte.

Nun hat ihn Gott geholt, so würde er es wohl sehen. Mugabe war bereits seit mehreren Monaten in medizinischer Behandlung in einem Krankenhaus in Singapur. Dort ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.

Simbabwe

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Mugabe, der am 21. Februar 1924 in Kutama 80 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Harare zur Welt gekommen war, hatte seine politische Karriere als großer Freiheitskämpfer begonnen und viele Jahre lang gegen die britischen Kolonialisten im damaligen Süd-Rhodesien gekämpft. Zwei seiner Geschwister starben früh, dann verließ der Vater wortlos die Familie, was nach Ansicht vieler zu einer lebenslangen Verbitterung von Mugabe führte. Er ging erst mit 35 in die Politik, wurde zum Widerstandskämpfer, ohne aber je selber eine Waffe zu tragen, einen Schuss abzugeben. Die Briten ließen ihn inhaftieren. Sein Sohn starb, während er im Gefängnis war, Mugabe durfte nicht einmal zur Beerdigung.

Vier Jahre lang tobte in Simbabwe der Guerillakrieg gegen die weißen Gewaltherrscher, etwa 30 000 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Auf internationalen Druck hin wurde 1979 das Ende des britischen Regimes beschlossen, das südostafrikanische Land sollte erstmals freie Wahlen abhalten dürfen. Es hätte ein Triumph sein können für Mugabe, den Freiheitskämpfer. Er aber sah sich betrogen, weil er einem Waffenstillstand zustimmen musste und die verhassten Kolonialtruppen nicht auf dem Feld besiegen konnte. Die Briten ließen ihm keine Wahl, was seine Wut auf das Vereinte Königreich steigerte. Es war eine Hassliebe, weil Mugabe selbst gerne wie ein englischer Gentlemen auftrat, der Cordanzüge trug und Shakespeare las. Nur einer von vielen Widersprüchen eines Mannes, der als Freiheitskämpfer begann und als Tyrann endete.

Es sei die "Geschichte eines Mannes, der seinen moralischen Kompass verlor", schrieb seine Biografin Heidi Holland, die 2012 erhängt vor ihrem Haus aufgefunden wurde. 1980 wurde Mugabe der erste Premierminister des nun unabhängigen Simbabwe. Bob Marley spielte zur feierlichen Amtsübernahme. Mugabe überraschte mit einer versöhnlichen Rede, versprach den verbliebenen weißen Farmern, dass auch sie ein Teil des neuen Landes seien, das damals zu den reichsten Afrikas gehörte und als Brotkorb des Kontinents bezeichnet wurde. Das blieb es noch einige Jahre.

Der gelernte Lehrer Mugabe investierte viel in Bildung. Er machte sich zumindest zu Beginn seiner Karriere wenig aus Reichtümern, seine Partei aber schon, die Eliten der ZANU-PF begannen sich ziemlich schamlos zu bedienen. "It is our time to eat", "Wir sind jetzt mit Essen dran", so wird dieser Mechanismus beschrieben. Es gibt ihn in nahezu allen ehemaligen Befreiungsbewegungen, von deren einst hohen moralischen Idealen meist nichts mehr übrig ist. Sie werden mit der Zeit jenen immer ähnlicher, die sie einst bekämpften.

Mugabe schaltete von Anfang an Rivalen mit großer Brutalität aus. Von 1983 bis 1985 schickte Mugabe die in Nordkorea ausgebildete fünfte Brigade ins Matabeleland, eine Hochburg seines Rivalen, wo er dessen Anhänger massakrieren ließ, etwa 20 000 Menschen sollen ermordet worden sein. Der Westen schaute weg, wenig später kam Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu Besuch, die beiden hielten Händchen, ein Chor sang Kinderlieder, Weizsäcker lobte Mugabe als einen "besonnenen Politiker".

Nichts könnte weiter weg sein von der Wahrheit. Um an der Macht zu bleiben, war Mugabe jedes Mittel recht. Weil die korrupten Kader seiner Partei die Rentenkasse der Kriegsveteranen geplündert hatten, brauchte Mugabe einen Sündenbock und ein paar Besitztümer, die er verteilen konnte. Im Jahr 2000 ließ er die Farmen der Weißen stürmen, von denen manche umgebracht und andere aus dem Land gejagt wurden. Die Höfe wurden an treue Parteisoldaten vergeben, die aber keine Ahnung von Landwirtschaft hatten und auch keine Lust. Es begann ein dramatischer wirtschaftlicher Verfall des einst so reichen Landes, die Inflation stieg auf 230 Millionen Prozent.

Millionen Simbabwer flüchteten vor dem Hunger ins benachbarte Südafrika, Mugabe störte das nicht, er war die Unzufriedenen los. Und die schickten auch noch Devisen nach Hause und hielten das Land somit am Leben. Mugabe ließ Wahlen fälschen und Oppositionelle umbringen. Die USA und die EU verhängten Sanktionen, im Westen galt er fortan als Tyrann, was seine Beliebtheit in Afrika aber eher steigerte, für viele war er der Befreiungskämpfer, der sich mit den alten Kolonialisten anlegt.

Mugabe hielt sich selbst für unersetzbar, musste dann aber zumindest seine eigene Endlichkeit eingesehen haben. Die Macht sollte aber in der Familie bleiben, 2017 machte er seine bei vielen Simbabwern wegen ihrer schamlosen Bereicherung verhasste Ehefrau Grace zur Vizepräsidentin. Das Militär putschte und setzte Mugabe unter Hausarrest. Mitte 2018 hatte er einen letzten großen Auftritt, bei einer Pressekonferenz beklagte er den Putsch und den Verfall der demokratischen Kultur im Land. Er meinte es nicht ironisch.

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