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Coronavirus in Deutschland:RKI: Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter leicht an

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Sie liegt derzeit bei 61. Die Zahl der Neuinfektionen liegt mit 4369 allerdings unter dem Wert von vor einer Woche. Berliner Amtsärzte fordern einem Medienbericht zufolge, Lockerungen der Corona-Maßnahmen nicht mehr an generelle Inzidenzwerte zu knüpfen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 4369 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 62 weitere Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI vom Montag hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 4426 Neuinfektionen und 116 neue Todesfälle verzeichnet.

Am Montag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen sind möglich.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Montagmorgen bundesweit bei 61,0 - und damit höher als am Vortag (60,2). Vor vier Wochen, am 25. Januar, hatte die Inzidenz noch bei 111,2 gelegen. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden.

Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33 777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden - er enthielt jedoch 3500 Nachmeldungen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2 390 928 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2 198 000 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 67 903.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagnachmittag bei 1,10 (Vortag 1,07). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 110 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Amtsärzte in Berlin fordern differenzierte Lockerungsstrategie

Die Berliner Amtsärzte haben einem Medienbericht zufolge gefordert, Lockerungen der Corona-Maßnahmen nicht mehr an generelle Inzidenzwerte zu knüpfen. Es sei "nicht zielführend, Eindämmungsmaßnahmen an Inzidenzen von 20/35/50" zu koppeln, heißt es in einem Bericht des Tagesspiegels, der aus einer Stellungnahme von zwölf Amtsärzten zitiert.

Die Mediziner schlagen stattdessen "intensive Maßnahmen der Infektionsprävention" für Alte und Kranke und gleichzeitig eine Abmilderung der Maßnahmen für andere Gruppen wie Schulkinder vor. Das Papier sei am Wochenende als Stellungnahme an die Senatskanzlei geschickt worden.

"Diese Inzidenzen bilden nicht das wirkliche Infektionsgeschehen ab", schreiben demnach die Amtsärzte weiter. Inzidenzwerte seien von Testkapazitäten und dem Testwillen der Menschen abhängig. "Dadurch kommt es zu Schwankungen, die nicht die infektiologische Lage widerspiegeln", zitiert das Blatt die Ärzte. Es sei zu unterscheiden, ob Inzidenzen durch Cluster-Ausbrüche oder breite Durchseuchung zustände kämen und auch, welche Altersgruppen infiziert seien.

Die Mediziner fordern eine nach Altersgruppen ausgerichtete Inzidenzanalyse als "Frühwarnsystem". Es sei ein "großer Unterschied", ob eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 herrsche, alle Infizierten symptomfreie Kinder seien und Menschen über 80 schon durchgeimpft oder ob bei einer Inzidenz von 50 vor allem Risikogruppen betroffen seien.

An diesem Montag kehren in Berlin wie in vielen anderen Bundesländern die Klassen eins bis drei als erste in den Präsenzunterricht zurück.

Brinkhaus fordert "Jahrhundertreform"

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus, fordert eine grundlegende Reform des deutschen Staatswesens. Er bezweifle, dass die staatlichen Strukturen noch in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts passten, sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag. "Wir brauchen eine Jahrhundertreform - vielleicht sogar eine Revolution." Brinkhaus machte fünf Felder aus, die einer umfassenden Modernisierung bedürfen: Verwaltung, Digitalisierung, Bund-Länder-Kooperation, Bildungssystem und Katastrophenschutz. Der Reformprozess müsse nach der Bundestagswahl in diesem Jahr ein maßgeblicher Bestandteil der Koalitionsverhandlungen werden.

Brinkhaus hat sich außerdem für pragmatische Lösungen ausgesprochen, um die Impfkampagne gegen Covid-19 in Deutschland zu beschleunigen. So hält er es für denkbar, das Corona-Impfungen durch Zahnärzte durchgeführt werden. "Wir sollten prüfen, ob wir bei einer flächendeckenden Impfung auch Zahnärzte und später auch Betriebsärzte miteinbeziehen können", sagte der CDU-Politiker. "Daher sollten wir alle Ressourcen nutzen, die wir haben, um die Menschen schnell zu impfen."

Die Erstellung eines Stufenplans, um Schritt für Schritt aus dem Lockdown zu kommen, hält der Vorsitzende der Unionsfraktion hingegen für nicht nötig. "Der Paragraf 28a des Infektionsschutzgesetzes mit den Inzidenzen von 35 und 50 ist ja quasi ein Stufenplan", sagte er. Brinkhaus warnte vor voreiligen Öffnungsschritten. Die Zahl der Todesfälle sei immer noch zu hoch, hinzu kämen die Virus-Mutanten, die wesentlichen ansteckender seien. "So tun wir gut daran, die 35 erst mal zu erreichen, bevor wir flächendeckend über Öffnungen nachdenken."

Kita-Erzieher und Grundschullehrer sollen wohl doch früher geimpft werden

Die Anzeichen, dass Kita- und Grundschulbeschäftigte in der Impfreihenfolge nach vorne rücken könnten, verdichten sich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Samstag bei einer Online-Diskussion zum Thema Corona-Impfung in Berlin, es sei gesellschaftlich sehr wichtig, dass Kitas und Grundschulen wieder öffnen könnten. Weil dort aber Abstand nicht möglich sei, wolle man die Beschäftigten zügig in die Gruppe zwei nehmen und früher ein Impfangebot machen.

Bei der Impfreihenfolge in Deutschland wurden vier große Gruppen festgelegt, Kita- und Grundschulbeschäftigte stehen nach der aktuellen Impfverordnung in Gruppe drei und wären damit frühestens im Mai an der Reihe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder hatten das Gesundheitsministerium bei ihrer jüngsten Beratung gebeten, zu prüfen, ob Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher früher drankommen könnten. Dafür müsste die geltende Impfverordnung geändert werden.

Vertreter mehrerer Bundesländer haben sich inzwischen dafür ausgesprochen. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) teilte am Samstag mit, eine entsprechende Änderung der Bundesimpfverordnung sei in Arbeit. Eine Grundsatzentscheidung solle am Montag aller Voraussicht nach in der Gesundheitsministerkonferenz fallen. Auch Spahn hatte bereits am Freitag gesagt, es zeichne sich ein "relativ großer Konsens" in dieser Frage ab.

Spahn stellt Astra-Zeneca-Geimpften spätere mRNA-Impfung in Aussicht

Nach einer Immunisierung mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff ist laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu einem späteren Zeitpunkt eine Nachimpfung mit einem anderen Wirkstoff denkbar. Das sei "problemlos möglich", falls etwa am Ende des Jahres alle Impfwilligen geimpft seien und noch Impfstoff verfügbar sei, sagte der CDU-Politiker am Samstag bei einer Fragerunde mit Bürgern.

Die Frage nach einer Nachimpfung mit einem anderen Mittel steht im Raum, weil der Wirkstoff von Astra Zeneca eine geringere Wirksamkeit hat als die anderen beiden in der EU zugelassenen Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer. Experten raten dennoch, nicht mit der Impfung zu warten. So verhindere der Astra-Zeneca-Impfstoff zwar die Ansteckung mit dem Coronavirus weniger zuverlässig als das Präparat von Biontech/Pfizer, schwere Krankheitsverläufe verhindere jedoch auch Astra Zenecas Impfstoff zuverlässig.

Vor einigen Tagen hatte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, eine spätere Nachimpfung vorgeschlagen. "Man kann die Immunität, die man mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken."

Polizei beendet Kindergeburtstag

Eine Feier zum zehnten Geburtstag eines Jungen mit 20 Anwesenden hat die Polizei in Heidelberg beendet. Nachbarn hätten die Beamten am späten Freitagabend wegen Ruhestörung verständigt, teilte die Polizei am Samstag mit. Als die Beamten kamen, seien in der Zwei-Zimmer-Wohnung und im Innenhof des Anwesens trotz Corona-Pandemie insgesamt 20 Menschen gewesen, darunter acht Kinder. Den Wohnungsbesitzer - den Vater des Geburtstagskindes - und die Gäste erwarten nun Anzeigen. "Auch wenn die Ausgangsbeschränkungen mittlerweile gelockert bzw. aufgehoben wurden, haben die Kontaktbeschränkungen für private Treffen im öffentlichen oder im privaten Raum nach wie vor Gültigkeit", mahnte die Polizei.

Dänemark schließt mehrere Grenzübergänge nach Deutschland.

Dänemark hat wegen der Corona-Lage in Flensburg mehrere kleinere Grenzübergänge nach Deutschland geschlossen. In der Grenzstadt im Norden von Schleswig-Holstein werden nach Angaben von Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) inzwischen fast nur noch Corona-Infektionen mit der zunächst in England aufgetretenen Variante B.1.1.7 festgestellt, die als besonders ansteckend gilt.

Die dänische Regierung habe sich deshalb dazu entschlossen, den Einsatz an der deutsch-dänischen Grenze zu verschärfen, teilte das Justizministerium in Kopenhagen am Freitagabend mit. Konkret wollte die dänische Polizei in der Nacht zum Samstag insgesamt 13 Grenzübergänge schließen. Wichtige Übergänge wie Frøslev, Kruså und Padborg sollten dagegen offen bleiben. Dort werde aber "wesentlich intensiver" kontrolliert, erklärte das Ministerium.

In Flensburg selbst gelten seit Mitternacht nochmals verschärfte Corona-Auflagen. So treten an diesem Samstag nächtliche Ausgangsbeschränkungen in der Zeit von 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr in Kraft. Zudem sind dort vorerst private Treffen untersagt. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel für den Weg zur Arbeit oder zum Arzt.

Trotz des Lockdowns sind die Infektionszahlen in Flensburg seit Mitte Januar erheblich gestiegen. Mittlerweile zählt die Stadt an der dänischen Grenze bundesweit zu den Corona-Hotspots. Als Ursache wird die rasche Ausbreitung der Virusvariante B.1.1.7 vermutet. Diese Mutante wurde erstmals am 15. Januar in Flensburg nachgewiesen.

Urlaub in Alltours-Hotels künftig nur mit Corona-Impfung

Der Düsseldorfer Reiseveranstalter Alltours will von Herbst an in seinen eigenen Urlaubshotels der Marke Allsun nur noch Gäste mit einer Corona-Impfung beherbergen. Diese Regel solle voraussichtlich ab dem 31. Oktober gelten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der genaue Zeitpunkt hänge vom Verlauf der Impfungen ab. Alltours betreibt unter dem Namen Allsun 35 Hotels auf Mallorca, den Kanaren und in Griechenland.

"Wir wollen allen Gästen höchstmögliche Sicherheit bieten, damit sie ihren Urlaub entspannt genießen können", sagte Alltours-Inhaber Willi Verhuven laut Mitteilung. Bei steigenden Impfquoten und sinkenden Inzidenzen in den Urlaubsgebieten stehe einem Urlaub nichts im Wege.

Spahn: "Das Virus gibt nicht einfach auf"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnt drei Wochen vor dem vorläufigen angekündigten Ende des Lockdowns zu weiterer Vorsicht: "Das Virus gibt nicht einfach auf", sagte er in einer Pressekonferenz am Freitag. Das zeigten die jüngsten Entwicklungen sowohl bei der wachsenden Ausbreitung der Mutanten als auch beim Abflachen des Rückgangs der Neuinfektionen. Um der zuerst in Großbritannien entdeckten Mutante entgegenzuwirken, seien Maßnahmen wie die Einreisesperren aus bestimmten Ländern sinnvoll und wirksam.

Bei den Impfungen verfolge man weiterhin die Strategie, möglichst schnell vielen Menschen durch eine bei den bisherigen Impfstoffen notwendige Zweitimpfung vollen Schutz zu geben. Da die Lieferungen durch die Hersteller nun zunehmen, müsse man aber auch das Impf-Tempo erhöhen. Derzeit würden rund 150 000 Menschen pro Tag in Deutschland geimpft. "Da müssen wir die Zahl in nächster Zeit mindestens verdoppeln", sagte Spahn.

Spahn bekräftigte die Pläne der Bundesregierung, ab Anfang März kostenlose Schnelltests zur Verfügung stellen zu wollen. Er kündigte an, dass es zu Beginn der Einführung durch den großen Andrang aber auch zu Engpässen kommen könne. Auch Selbsttests für alle seien absehbar. All diese Maßnahmen würden helfen, schneller und stabil aus dem Lockdown herauszukommen.

RKI-Chef Wieler: "Pandemie-Bekämpfung wird schwieriger"

Lothar Wieler, der Direktor des Robert-Koch-Instituts, erwartet in den kommenden Wochen einen Anstieg der Infektionen auch unter jungen Menschen und Kindern. Wir wissen noch nicht genau, ob die besorgniserregenden Varianten dabei eine Rolle spielen", sagte Wieler. Der Anteil der Variante B 1.1.7. steige jedoch rasant an. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Bekämpfung der Pandemie dadurch auch schwieriger wird", sagte Wieler. Es werde immer schwieriger, ein niedriges Inzidenzniveau zu halten. "Jede unbedachte Lockerung beschleunigt das Virus und wirft uns zurück. Dann stehen wir in ein paar Wochen genau wieder an dem Punkt, wo wir Weihnachten waren."

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek schloss sich den Ausführungen Wielers an. Man merke auch in Landkreisen mit hohen Inzidenzwerten wie Tirschenreuth bereits das Vorkommen der Mutante B.1.1.7. Noch könne man diese allerdings eindämmen. Nun bereite man sich darauf vor, die Impfkapazitäten weiter zu erhöhen. In die Pläne eingeschlossen seien Arztpraxen und auch Betriebsärzte. "Impfen ist ein Stück weit ein Licht am Ende des Tunnels." Holetschek erklärte, dass er beim Impfstoff der Firma Astra Zeneca keinerlei Bedenken habe, er aber unterschiedliche Meinungen in der Bevölkerung wahrnehme.

© SZ/dpa/epd/Reuters/KNA/gal/jsa/saul/bix/vd/berj/aner/hgn
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