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Risikobericht:Wovor sich die Schweiz fürchtet

Lightning illuminates the sky during a thunderstorm over the Swiss Federal Palace in Bern

Gewitter über dem Bundeshaus in Bern - ein Sturm steht auf Platz sechs der Gefahrenliste.

(Foto: REUTERS)
  • In einem neuen Bericht listet die Schweizer Regierung auf, welche Risiken dem Land drohen und wie wahrscheinlich es ist, dass sie Realität werden.
  • Neben Naturkatastrophen und technischen Pannen fürchtet man auch eine Flüchtlingswelle.
  • Der Bericht soll "die Schweiz widerstandsfähiger machen" und verhindern, dass die Bevölkerung sich in Sicherheit wiegt.

Von Yannick Nock

Die Schweizer Regierung überlässt nichts dem Zufall. Auch auf Katastrophen und Pannen will sie bestens vorbereitet sein. Zum zweiten Mal nach 2012 hat darum das Bundesamt für Bevölkerungsschutz einen Risikobericht erarbeitet, der die aus seiner Sicht größten Gefahren für das Land auflistet. Das Amt errechnet in dem Papier die Wahrscheinlichkeit von Katastrophen und Notlagen und erstellt eine Top Ten. Doch nicht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), nicht die Krise in Griechenland und auch nicht der Konflikt in der Ukraine bedrohen die Nation demnach am stärksten - sondern ein Stromausfall.

Sollte es im Winter über mehrere Wochen zu einem Strommangel kommen, geht der Bevölkerungsschutz von Todesopfern und "immensen Schäden für die Wirtschaft und für die Gesellschaft" aus. Insgesamt sei mit einem Schaden von mehr als einhundert Milliarden Franken zu rechnen. Das Szenario ist zwar unwahrscheinlich, aber durchaus möglich: Die Regierung schätzt, dass dieses Ereignis einmal in 30 bis 100 Jahren eintrifft.

Auf Platz zwei und drei: eine Pandemie und eine Hitzewelle

Auf den Plätzen zwei und drei der größten Gefahren folgen eine Pandemie und - wie könnte es bei den Rekordwerten derzeit anders sein - eine Hitzewelle. Doch das ist nicht alles. Es gäbe "eine ganze Reihe von weiteren Katastrophen und Notlagen, die ebenfalls ein relativ hohes Risiko darstellen", heißt es im Bericht. Erwähnt werden Erdbeben, Stürme oder Flugzeugabstürze.

Haben die Eidgenossen keine anderen Sorgen? Keine Terror-Angst? Keine Bedenken vor Cyber-Angriffen? Die Sorgen der anderen Europäer scheinen die Schweizer offenbar nicht zu beschäftigen, jedenfalls haben es diese Probleme nicht in die Rangliste geschafft. Ein Thema lässt das Land aber auch dieses Mal nicht los: Neben Naturkatastrophen sieht die Regierung die Zuwanderung als Risiko. Die Flüchtlinge kommen in der Gefahrenliste auf Platz acht.

"Eine Flüchtlingswelle - zusätzlich zur Zuwanderung im Asylbereich - würde die Schweiz vor eine große humanitäre Aufgabe stellen", heißt es im Bericht. Auch wenn es sich nicht um eine Gefährdung im eigentlichen Sinne handle, sei der Zustrom mehrerer Tausend Flüchtlinge innerhalb weniger Monate dennoch ein ernstzunehmendes Risiko für die Bevölkerung.

Die Bevölkerung soll sich nicht in Sicherheit wiegen

Im ersten Bericht 2012 zählten Pandemien und Erdbeben noch zu den höchsten Risiken. Hinzu kamen Atom- und Chemie-Anschläge. Allerdings beschränkte sich der Bericht auf lediglich 12 Szenarien, heute werden 33 untersucht. Die Rangliste beruht auf der Eintrittswahrscheinlichkeit und dem Schadensausmaß eines Ereignisses. 200 Experten aus der Bundesverwaltung, den Kantonen, der Wissenschaft und Wirtschaft bewerten die Risiken. Für die nächste Analyse werden weitere Szenarien hinzukommen.

Mit dem Risikobericht soll der Katastrophenschutz angepasst und die Sicherheitspolitik des Landes verbessert werden. Er wird dazu dienen, "die Schweiz widerstandsfähiger zu machen", heißt es im Bericht. Die Bevölkerung dürfe sich nicht in Sicherheit wiegen. "Angesichts der rasant zunehmenden Vernetzung und der enormen Infrastrukturdichte steigt unsere Verletzlichkeit", schreibt Verteidigungsminister Ueli Maurer in seinem Vorwort.

Konsequenzen aus dem ersten Bericht wurden bereits gezogen. Die Regierung hat im vergangenen Jahr einen Vertrag mit dem Pharmariesen Novartis abgeschlossen, der fünf Jahre lang sicherstellt, dass im Pandemie-Fall genügend Impfstoff für die Bevölkerung produziert werden kann.

© SZ.de/pamu/ghe
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