Süddeutsche Zeitung

Rick Santorum:Vermächtnis eines missionarischen Eiferers

Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hatte Rick Santorum schon lange nicht mehr. Durch sein langes Ausharren hat er jedoch Konkurrent und Favorit Mitt Romney erheblichen Schaden zugefügt. Und ihn politisch deutlich weiter nach rechts gedrängt, als es Romney lieb sein kann.

Rechnerisch ist es schon länger klar, dass Rick Santorum keine Chance mehr hatte, die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner zu erringen. Zu erdrückend war die Überlegenheit der Wahlkampfmaschinerie Mitt Romneys, der bei den Vorwahlen bisher weit mehr als doppelt so viele Delegiertenstimmen für die Nominierung gewonnen hat wie Santorum.

Doch auch ideologisch hatte der missionarische Eiferer keine Chance: Die jüngsten Wahlgänge machten deutlich, dass die erzkonservativen Positionen Santorums selbst unter Republikanern nicht mehrheitsfähig sind. Daraus hat er jetzt die Konsequenz gezogen und den Weg für Romney freigemacht.

Santorum konnte lediglich im Mittleren Westen und im Süden der USA siegen. In eher industriell geprägten Bundesstaaten wie Ohio oder Michigan kam er Romney zwar empfindlich nahe, vermochte ihn aber nie zu übertrumpfen. Selbst in seinem Heimatstaat Pennsylvania schmolz Santorums Vorsprung zwei Wochen vor der Abstimmung zusammen.

Indem er so lange ausharrte, hat der Hitzkopf aber Zweierlei erreicht. Zum einen hat er Romney erheblichen Schaden zugefügt: Seine Anwürfe gegen den Konkurrenten werden beste Wahlkampfmunition für die Demokraten sein. Das hat Santorum bewusst gemacht - er verachtet den politischen Opportunisten Romney offenbar aus tiefster Seele.

Zum anderen hat er Romney im Kampf um die Stimmen der konservativen Parteibasis so viel weiter nach rechts gedrängt, als es diesem lieb sein kann. Santorum ist nun der Lordsiegelbewahrer der konservativen Republikaner - und er wird nicht zögern, den Kandidaten Romney öffentlich abzumahnen, sollte der vom rechten Pfad der Tugend abweichen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1329413
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 11.04.2012/mkoh
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.