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Richard von Weizsäcker in der SZ:"Das Volk will mutige Politiker"

Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

(Foto: AP)

Richard von Weizsäcker dachte auch im Alter nicht daran, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Wie er die Welt sah, erklärte er auch immer wieder in der Süddeutschen Zeitung. Ein Überblick über seine Interviews und Gastbeiträge.

Richard von Weizsäcker wirkte an vielen großen Debatten mit, auch nach dem Ende seiner Amtszeit als Bundespräsident. In den Jahren vor seinem Tod traf er mehrfach Journalisten der Süddeutschen Zeitung und sprach mit ihnen über aktuelle Entwicklungen, oder veröffentlichte selbst in der SZ.

  • In seinem letzten Interview sprach er im September 2013 mit Stefan Kornelius, Leiter des Ressorts Außenpolitik der SZ. Weizsäcker trat Ängsten entgegen, dass Deutschland in Europa wieder zu dominant werden könnte: "Die Deutschen haben auf hartem Weg, in zwei europäischen Kriegen, gelernt, dass hegemoniales Denken diesem Kontinent nicht guttut." Er ermahnte die Europäer außerdem, endlich zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik zu finden und wandte sich gegen eine Spaltung zwischen reichen Staaten im Norden des Kontinents wie Deutschland und "Krisenstaaten" im Süden wie Griechenland oder Spanien.
  • 2009 hatte Weizsäcker mit Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik, und Redakteur Oliver Das Gupta über den Kampf gegen das gesprochen, was er das "Nuklear-Chaos" nannte: Zu viele Länder, die nach Atomwaffen strebten, und zu viele Atomraketen, die Russland und die USA trotz ihrer Abmachungen noch immer nicht verschrottet hätten. Politiker, die schon zur Zeit des Kalten Krieges aktiv waren, wie er und der ehemalige polnische Ministerpräsident Lech Walesa, sähen das mit Sorge: "Es gibt ein Rumoren unter uns alten Politikern in verschiedenen Ländern. Wir versuchen, einen Rückenwind für neue Anti-Atomwaffen-Initiativen zu schaffen." Deutschland müsse Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt unterstützen, die der US-Präsident in einer Rede in Prag formuliert hatte. Zusammenarbeit mit Russland sei dabei "unverzichtbar".
  • Im Januar 2003 diskutierten Weizsäcker und der tschechische Präsident Vaclav Havel mit Stefan Kornelius und Außenpolitik-Redakteur Daniel Brössler über Europa und das deutsch-tschechische Verhältnis. Das Gespräch fand unter dem Eindruck des unmittelbar bevorstehenden Irakkrieges statt. Weizsäcker sagte, Europa könne keine reine Zivilmacht bleiben und plädierte dafür, dass der Kontinent nicht nur wirtschaftliches, sondern auch politisches Selbstbewußtsein zeigen solle: "Antiamerikanismus entwickelt sich nur dann, wenn an Stelle einer Freundschaft Abhängigkeit entsteht."
  • Weizsäcker schrieb auch selbst in der SZ. In einem Gastbeitrag, den er 2007 gemeinsam mit dem Italiener Giuliano Amato verfasste, erinnerte er die Europäische Union daran, wie wichtig die Zukunft des Balkans für ihre eigene sei. Er rief sie auf, für Serbien und den Kosovo eine klare Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft zu formulieren, umso beide Seiten zu einer Einigung zu bringen: "Einer Verhandlungslösung muss eine zweite Chance gegeben werden aber diese wird nur dann echt sein, wenn sowohl Serben wie Albaner erkennen, dass wir Europäer es ernst meinen." 2008 erklärte sich der Kosovo für unabhängig von Serbien, eine knappe Mehrheit der Staaten der Vereinten Nationen erkennt ihn als neuen Staat an.
  • 2003 plädierte von Weizsäcker in der Süddeutschen Zeitung für den Abbau von Subventionen, besonders der von Steinkohle und Agrarexporten, aber auch der Pendlerpauschale, denn: "Subventionspolitik ist sehr häufig schlichte Klientelpolitik." Die Volksvertreter müssten dem Druck der Klientel widerstehen: "Das Volk will mutige Politiker."
© SZ.de/jab/mati

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