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Richard Holbrooke:Tod eines Titanen

Seine Konfliktfähigkeit war legendär, seine physische Präsenz half ihm vor allem in der Auseinandersetzung seines Lebens mit dem serbischen Machthaber Slobodan Milosevic. Zum Tod des US-Diplomaten Richard Holbrooke.

Für Richard Holbrooke waren schnell große Worte gefunden - selbst von jenen, mit denen er in den letzten Monaten den größten Hader ausgetragen hatte. US-Präsident Barack Obama bezeichnete ihn als "wahren Giganten der US-Außenpolitik". US-General David Petraeus, derzeit Isaf-Kommandeur in Afghanistan, sah in ihm einen "Titanen". Im Tod war der Respekt ungebrochen, denn trotz aller Konflikte, die Richard Holbrooke in seinem Leben ausgetragen hatte - seine Professionalität kann ihm keiner absprechen. Petraeus nicht, der Holbrookes zivile Strategie der Versöhnung mit den Taliban misstrauisch bis feindselig begleitete. Obama natürlich auch nicht, der Holbrooke zuletzt zurechtgestutzt hatte - der Afghanistan-Vermittler war zu oft mit dem außenpolitischen Apparat im Weißen Haus kollidiert.

Richard Holbrooke, Sondergesandter der USA für Afghanistan und Pakistan, ist tot. US-Präsident Barack Obama würdigte ihn als "wahren Giganten der US-Außenpolitik".

(Foto: AFP)

Kollisionen waren die Sache von Holbrooke. Seine Konfliktfähigkeit war legendär, seine physische Präsenz half in vielen Situationen, vor allem auch in der Auseinandersetzung seines Lebens mit dem serbischen Machthaber Slobodan Milosevic, den er zum Frieden im Bosnienkrieg zwang. Diese Vermittlung, beschrieben in einer vielgepriesenen Biographie (Meine Mission) machte ihn zu einem der bekanntesten Diplomaten in der Welt und zum Aspiranten für das Amt des US-Außenministers. Wäre Hillary Clinton Präsidentin geworden, hätte ihn nichts aufgehalten. So aber fand er sich im letzten US-Wahlkampf plötzlich im falschen Lager, auch wenn Obama letztlich seine Expertise und seine Direktheit schätzen lernte. Allerdings blieb für Holbrooke nach der Wahl nur der undankbare aber extrem aufreibende Job des Afghanistan-Beauftragten.

Beständig pendelte Holbrooke zwischen den Fraktionen des Krieges in jenem Land, dass er schon als junger Mann in den siebziger Jahren bereist hatte und das ihn in seiner Komplexität faszinierte. Holbrooke öffnete Kanäle nach Pakistan, fahndete nach politischen Allianzen, überwarf sich mit Karsai.

Der Stress zehrte an ihm, im Sommer noch wurde er mit Herzbeschwerden behandelt. Am vergangenen Freitag klagte er während einer Besprechung mit Außenministerin Hillary Clinton über Beschwerden, die Ministerin schickte ihn zum Hausarzt des Außenministeriums, Holbrooke soll zunächst die Sache heruntergespielt haben. Noch im Fahrstuhl war er zusammengebrochen. Holbrooke wurde 20 Stunden lang in Washington operiert, nachdem Ärzte einen Riss an der Aorta festgestellt hatten. In der Nacht auf Dienstag starb Holbrooke, er wurde 69 Jahre alt.

Die Todesnachricht trifft die US-Regierung mitten in der Vorbereitung zu einer schwierigen Afghanistan-Bilanz, die Präsident Barack Obama Ende dieser Woche dem Kongress vorlegen muss. In den USA wird wie in Europa heftig über Abzugstermine und Strategie diskutiert. Die Unterstützung des Kongresses für Obamas Kurs ist fraglich, nachdem die Demokraten in den Zwischenwahlen herbe Verluste hinnehmen mussten und die öffentliche Stimmung zu einem schnellen Abzug und einem Ende des Krieges tendiert.

Ministerin Clinton, eine enge persönliche Freundin, unterstützte Holbrooke gleichwohl uneingeschränkt. Holbrooke war 1993 für neun Monate Botschafter der USA in Bonn, außerdem war er Mitgründer der American Academy in Berlin.

© sueddeutsche.de/woja

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