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Richard Grenell:Trumps Mann für Berlin

Bürgermeister Tschentscher empfängt US-Botschafter Grenell

Umstrittener Diplomat: Es dauerte Monate, bis der US-Senat Richard Grenell als neuen Botschafter in Deutschland bestätigte.

(Foto: dpa)
  • Richard Grenell wird neuer US-Botschafter in Berlin - kurz vor dem Merkel-Besuch in Washington hat ihn der Senat bestätigt.
  • Der 51-jährige Harvard-Absolvent gilt als erfahrener Diplomat, gibt sich auf Twitter aber gerne angriffslustig.
  • Der Botschafterposten in Berlin war seit insgesamt 15 Monaten verwaist.

Von Stefan Kornelius

Mitarbeiter von Donald Trump machen es sich inzwischen zur Pflicht, dem Präsidenten stets und ausdauernd zu danken. Gründe dafür muss es nicht geben. Und so war auch niemand verwundert, als Richard Grenell am 12. Juli ein Foto mit sich und Trump aus dem Oval Office mit der obligaten Dankesbotschaft verbreitete. Da Grenell aber auch Diplomat ist, konnte zumindest unterstellt werden, dass der Tweet mit einer Gegenleistung verbunden war. Im September wurde dann bekannt, welche. Trump hatte dem heute 51-jährigen Harvard-Absolventen den Botschafterposten in Berlin angeboten.

Bis Grenell seine Koffer packen und nach Deutschland umziehen konnte, vergingen dann aber noch neun Monate. Besonders die Demokraten hatten Vorbehalte gegen den neuen Botschafter und so verzögerte sich seine Bestätigung im Senat bis in den April. Am Donnerstag stimmten 56 Senatoren für und 42 gegen ihn - umstritten ist er also nach wie vor. "Besser spät als nie", kommentierte US-Präsident Trump die Bestätigung seines neuen Botschafters auf Twitter. Der Posten in Berlin ist bereits seit 15 Monaten verwaist.

Aus der langen Liste der amerikanischen Botschafter in Deutschland wird Grenell gleich aus mehreren Gründen hervorstechen. Erstens ist er der erste US-Vertreter, der offen in einer homosexuellen Beziehung lebt, seit 14 Jahren bereits. Weil er sich noch dazu zu den konservativen Republikanern zählt, ist die Sache ein Politikum. Wie politisch die sexuelle Orientierung in der eigenen Partei betrachtet wird, durfte Grenell 2012 erfahren, als er seinen Posten als Außen- und Sicherheitspolitischer Sprecher beim Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney innerhalb weniger Wochen räumen musste - der Druck der Evangelikalen war zu groß geworden.

Grenell twittert noch öfter als Trump - und genauso angriffslustig

Grenell, geboren in Michigan, ist aber auch ein typischer Hybrid-Konservativer, der seine politische Karriere in der Zone zwischen grauer Eminenz, Büchsenspanner, Talkshows und Twitter angelegt hat. Es gehört zu den Aufstiegsmerkmalen junger republikanischer, aber auch demokratischer Politaspiranten, dass sie sich ihre Sporen in verschiedenen Mitarbeiterrollen, Wahlkämpfen und Sprecherfunktionen verdienen. Grenell zeichnete sich dadurch aus, dass er während der Bush-Präsidentschaft durchgehend Sprecher seiner Regierung bei den Vereinten Nationen war - keine leichte Zeit mit den Kriegen im Irak und in Afghanistan.

Die diplomatische Welt kennt Grenell also durchaus, aber besonders wohl fühlt er sich in den Medien - sowohl bei den konservativen wie Fox News oder dem Wall Street Journal als auch jenen, die sein neuer Chef als Mainstream bezeichnen würde. Dort erarbeitete er sich den Marktwert, den er als PR-Fachmann und Berater für seine Kunden brauchte, darunter Klienten aus Iran, Kasachstan und der Demokratischen Republik Kongo. Sein wichtigstes Mitteilungsorgan aber ist Twitter, das er weit häufiger bespielt als der Präsident selbst - nicht selten in gleicher Schärfe. Einige Hundert beleidigende oder politisch gefährliche Tweets löschte er bereits vor dem Romney-Wahlkampf.

Seine Twitter-Tiraden wurde ihm auch im Senat beinahe zum Verhängnis - die Demokraten kritisiert ihn dort vor allem für frauenfeindliche Äußerungen, die er auf dem Kurznachrichtendienst publiziert hatte. Unter anderem hatte er sich wiederholt abschätzig über Äußerlichkeiten politischer Gegnerinnen geäußert. Bedenken äußerten einige Senatoren auch, weil Grenell die Russland-Affäre, die Trumps Präsidentschaft seit Monaten überschattet, als aufgeblasen bezeichnet hatte.

In letzter Zeit gibt sich Grenell deutlich sanfter. Wichtiges Thema ist eine Krebs-Erkrankung, die er nach einer Chemotherapie besiegt hat. Nun hat er, ganz programmatisch und diplomatisch, "die unverbrüchlichen Bande mit Europa" als Botschaft an die Spitze seines Twitter-Kontos gestellt.

© SZ vom 24.07.2017/sih/ghe/rus

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