Interview:Der Wahlkampf 2016 läuft seit Monaten. Gibt es bestimmte Begriffe oder Sprachbilder, die Ihnen aufgefallen sind?

Lesezeit: 6 min

Es gibt so viele. Mauern sollen eingerissen werden, Rubio spricht gerne über das "neue amerikanische Jahrhundert", und Donald Trump will "Amerika wieder groß" machen. Was mir außerdem aufgefallen ist: Viele Politiker sind sehr präzise, wenn sie einen Konkurrenten attackieren oder ihre eigenen Leistungen loben. Wenn sie aber sagen sollen, was sie vorhaben, dann benutzen sie nur Metaphern und Floskeln. Wenn ein Kandidat über die Flüchtlingskrise in Syrien sprechen soll, dann sagt er Dinge wie "Wir müssen mit moralischer Klarheit darüber reden" oder "Wir müssen Brücken bauen". Ich wüsste gern: Was bedeutet das, was wollen sie eigentlich konkret machen?

Gibt es unter den anderen Kandidaten herausragende Rhetoriker? Rubio gilt als guter Redner, aber nun machen manche Witze über ihn, weil er klinge wie ein Roboter.

Rubio bereitet sich nur gut vor und übt seine Reden. Als ehemaliger Redenschreiber kann ich das nur begrüßen. Manche Experten werten das als unnatürlich, aber ich fand die Kritik nach der Debatte in New Hampshire, als er vier Mal den gleichen Satz sagte, übertrieben. Ted Cruz wirkt natürlicher, er reagiert sehr schnell auf andere. Er war als Student ein Star im Debattierklub, das merkt man. Allerdings will er deswegen jeden Streit gewinnen und wirkt daher oft überheblich und unsympathisch.

Was ist mit den Demokraten: Bernie Sanders und Hillary Clinton?

Ich finde Sanders sehr unterhaltsam, obwohl ich inhaltlich überhaupt nicht mit ihm übereinstimme. Er hat diesen starken Brooklyner Akzent und einen eigenen Stil. Er sagt Dinge wie: "Meiner Meinung nach hat jeder Bürger das Recht auf eine Krankenversicherung." In der Politik sagt kaum jemand "Meiner Meinung nach", weil alle ihr Wort als gottgegeben ansehen. Hillary finde ich sehr kalt und berechnend. Ich bin kein Demokrat, und sie liegt in den Umfragen vorn, aber ich würde mich schwertun, für sie zu stimmen.

Die Kritik, dass Politiker die immer gleichen Sätze wiederholen, ist etwas seltsam. Schließlich hören nur die Journalisten sie so oft. Rubio etwa scherzt gern, Sanders wäre sicher ein guter Präsident - aber in Schweden, nicht in den USA. Das Publikum lacht, aber die Reporter denken: Schon wieder dieser Spruch!

Dass Politiker immer die gleiche Rede wiederholen, ist nicht neu. Christopher Buckley, ein konservativer Autor und Redenschreiber von George Bush senior, erzählte gern die Anekdote, wie dieser als Vizepräsident in Cincinnati auftrat und "Hallo Cleveland" rief. Politiker reisen viel, da verlieren sie schon mal den Überblick. Doch heute haben wir soziale Medien, Leute posten Videos auf Twitter und Facebook,und die Reporter tweeten alle Aussagen sofort. Auch immer mehr Zuhörer haben das Gefühl, alles schon mal gehört zu haben.

Die Kandidaten sollten ihre Reden also stärker variieren?

Das würde ich empfehlen. Ich kann aber verstehen, dass sie sich lieber auf die bekannten Sätze verlassen. Sie sehen das Publikum vor sich, spüren dessen Energie und merken, was gut ankommt. Aber sie sollten auch an die Leute denken, die nicht vor ihnen stehen.

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