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Rheinland-Pfalz:Weinkönigin fordert Kurt Beck heraus

In Rheinland-Pfalz soll Julia Klöckner für die CDU den SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck ablösen. Die twitternde 36-Jährige hält Schlaf für überbewertet.

Als es im September um ihre Wiederwahl in den Bundestag ging, wollte Julia Klöckner den Bürgern beweisen, wie fleißig sie war. Also stellte sie eine Liste ins Internet: 1679 Termine habe sie in den vergangenen vier Jahren in ihrem Wahlkreis Bad Kreuznach absolviert, 147 Sprechstunden abgehalten, 1021 Bürgeranfragen abgearbeitet.

In der rheinland-pfälzischen CDU ist die Euphorie groß: Julia Klöckner soll den amtierenden Ministerpräsidenten Kurt Beck herausfordern.

(Foto: Foto: dpa)

Nur die Zahl der Hände, die sie geschüttelt hat, fehlte. Sie dürfte noch beachtlicher sein. Denn die 36-Jährige hat zwei Lieblingssprüche: "Schlaf wird überbewertet", lautet der eine. Und man müsse als Politiker eben "geländegängig sein".

Zerstrittene Landes-CDU hofft auf blonde Herausforderin

Ihren traditionell roten Wahlkreis gewann Klöckner schließlich klar mit 47 Prozent, schon zum zweiten Mal. Auch deshalb will die rheinland-pfälzische CDU sie nun als Herausforderin von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) aufstellen.

Wie man aus der Partei hört, muss sich Klöckner in den nächsten Wochen noch auf Regionalkonferenzen der Basis präsentieren. Ein Parteitag soll sie dann im Frühjahr offiziell nominieren.

In der seit zwei Jahrzehnten heillos zerstrittenen Landes-CDU löst die junge, blonde und fotogene Frau eine bis dato unbekannte Euphorie aus. Mit ihr habe man eine echte Aussicht, den seit 15 Jahren regierenden Kurt Beck 2011 zu schlagen, sagen viele.

Klöckner kommt in der CDU gut an

Diese Freude liegt zum einen sicher daran, dass es die Partei tatsächlich einmal geschafft hat, sich ohne Grabenkämpfe auf eine Kandidatin zu einigen. Zum anderen hoffen viele Christdemokraten, dass sich der 60-jährige Amtsinhaber Beck mit der quirligen Herausforderin richtig schwertun wird.

Klöckners Art kommt in der CDU jedenfalls gut an. Die studierte Theologin lasse bei ihren Auftritten oft das berühmte "christliche Menschenbild" der Union anklingen, lobt ein einflussreicher CDU-Mann.

Für ihre 36 Jahre wirke sie "relativ abgeklärt". Und bei dem einen oder anderen landespolitischen Thema, das ihr noch fernliege, werde man ihr eben Unterstützung zukommen lassen.

Aus der Weinkönigin wurde die "Stimme der Winzer"

Dass die Winzertochter einst als Deutsche Weinkönigin umherreiste, ist in Rheinland-Pfalz ein vielversprechender Karrierestart. Noch immer arbeitet die gelernte Journalistin nebenbei als Chefredakteurin des Sommelier Magazins. Und gerne erzählt sie, dass in ihrem Berliner Büro ein Weinkühlschrank steht.

Auch im Bundestag begann sie einst als Stimme der Winzer. Dann arbeitete sie sich in die Verbraucherpolitik ein und engagierte sich gegen die Lockerung des Stammzell-Gesetzes.

Es war wohl kein Zufall, dass sie vor wenigen Wochen den Posten der Staatssekretärin im Agrarministerium bekam: Schon damals war ihre Kandidatur gegen Beck offenbar geplant; ein gutklingendes Amt kann dabei nicht schaden. Die Kanzlerin begleite ihren Weg jedenfalls sehr wohlwollend, heißt es in der Union.

Eine kleine Panne hat Klöckner unbeschadet überstanden. Bei der Wiederwahl von Horst Köhler zum Bundespräsidenten verbreitete sie das Ergebnis noch vor der offiziellen Bekanntgabe im Internetdienst Twitter.

Sie entschuldigte sich reumütig. Auch am Montag twitterte Klöckner wieder: "Heute zum Austausch mit unserem Landrat, dann Truppenübungsplatz Baumholder". Zwei weitere Termine für die Liste.

© SZ vom 17.11.2009/fvk

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