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Rheinland-Pfalz:Überraschende Kampfkandidatur

Die Kür des Spitzenkandidaten der Mainzer CDU wird durch einen Landrat aus dem Hunsrück komplizierter als gedacht: Marlon Bröhr will nun gegen Fraktionschef Baldauf antreten.

Landrat Marlon Bröhr (CDU) aus dem rheinland-pfälzischen Hunsrück wirbelt die Pläne der Landespartei für die Nominierung des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2021 durcheinander. Der 45 Jahre alte Bröhr kündigte am Dienstag in Simmern an, auf dem Landesparteitag am 16. November gegen den Fraktionschef Christian Baldauf anzutreten. Baldauf war seit Längerem fest gesetzt als Herausforderer von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und sollte im November zum Spitzenkandidaten gekürt werden.

Der als ehrgeizig bekannte Bröhr empfahl sich vor Journalisten in Simmern als ein Mann, der größere Chancen habe, der rheinland-pfälzischen CDU nach fast drei Jahrzehnten wieder einen Sieg bei einer Landtagswahl zu bescheren. Er sei ein Seiteneinsteiger, nicht verwoben in Parteinetzwerke, kenne aus seiner kommunalen Tätigkeit die politische Praxis und sei vergleichsweise jung. Er könne für einen Neuanfang der Union stehen. In den Mittelpunkt seiner Bewerbung will er die desolate Lage der vielen verschuldeten Kommunen in Rheinland-Pfalz stellen.

In der Parteispitze in Mainz werden dem einstigen Zahnarzt, der seit 13 Jahren kommunalpolitisch aktiv ist, aber nur Außenseiterchancen eingeräumt.

Baldauf, der seine Spitzenämter in Partei und Fraktion von der als Agrarministerin nach Berlin gewechselten Julia Klöckner übernommen hatte, kann sich der Unterstützung bedeutender Teile der Landespartei, darunter auch der Jungen Union, sicher sein. Der Jurist gilt als verbindlich und bodenständig, ist aber in seiner langen politischen Tätigkeit stets eher etwas blass geblieben.

Der Parteitag in Neustadt an der Weinstraße muss auch darüber entscheiden, ob die CDU-Mitglieder Mitsprache bei der Spitzenkandidatenkür bekommen. Einen entsprechenden Antrag stellte die CDU aus Kirchberg im Hunsrück. Bröhr unterstützt eine Mitgliederbefragung, er erhofft sich davon offenkundig mehr Zustimmung. Die Führung der Landes-CDU, die eine Mitgliederbefragung eher skeptisch sieht, reagierte betont gelassen auf die Ankündigung Bröhrs. Der Landesvorstand habe Baldauf einstimmig nominiert, entscheiden würden die Delegierten des Parteitages, sagte Generalsekretär Gerd Schreiner in Mainz.

© SZ vom 30.10.2019

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