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Rheinland-Pfalz:Neues Angebot für Flughafen Hahn

Ein chinesischer Investor macht der Mainzer Landesregierung von Malu Dreyer neue Hoffnungen. Zuletzt hatte sie keine glückliche Hand beim Verkauf des Airports im Hunsrück, aber auch jetzt sind Fragen offen.

Von Susanne Höll, Frankfurt

Beim heiklen Versuch, den chronisch defizitären Regionalflughafen Hahn im Hunsrück zu verkaufen, hatte ein Investor aus Shanghai die rheinland-pfälzische Ampelregierung im Sommer in Bedrängnis gebracht. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) musste einen Misstrauensantrag der CDU-Opposition abwehren und den Bieterprozess neu starten, weil sich der Interessent als betrügerischer Hochstapler erwies und ihm niemand auf die Spur gekommen war. Nun interessiert sich zumindest ein weiteres chinesisches Unternehmen für den landeseigenen Airport - diesmal aber eines mit Renommee.

Der frühere rheinland-pfälzische SPD-Wirtschaftsstaatssekretär und Geschäftsmann Siegfried Englert bestätigte am Wochenende nach Ablauf einer Bieterfrist, dass sein in Rheinhessen ansässiges Unternehmen ADC gemeinsam mit dem chinesischen, auch im Fluggeschäft tätigen Mischkonzerns HNA ein konkretes Angebot für den Hahn unterbreitet hätten. Details der Offerte, wie etwa der Kaufpreis oder die Unternehmenspläne für den Flughafen wurden allerdings nicht bekannt. Englert hatte schon im ersten, gescheiterten Verkaufsprozess ein Angebot abgegeben - allerdings nur über einen Euro - und war deshalb nicht zum Zuge gekommen.

Inzwischen hat ADC unter Geschäftsführung Englerts für mehr als eine Million Euro Grundstücke und Gebäude auf dem Airportgelände verkauft. Dort sollen Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen, offenbar auch für chinesische Firmen, die in Europa einen Geschäftssitz nahe des attraktiven Rhein-Main-Gebiets suchen.

SPD und FDP wollen den Flughafen erhalten, dies wäre ihre Bedingung an jeden Käufer

Ob Englert und die HNA, zu der einige chinesische Fluggesellschaften gehören und die auch Projektentwicklungen betreibt, tatsächlich beim Verkauf den Zuschlag bekommen, ist aber ungewiss. Bedeutsam wird der Preis sein, aber auch die Frage, ob die künftigen Eigentümer willens und in der Lage sind, den Hahn als regulären Passagier- und Frachtflughafen zu betreiben. Der Erhalt des Airports ist erklärtes Ziel der SPD und ihres Koalitionspartners FDP. Die Grünen, kleinster Beteiligter der Ampel-Regierung, pochen nicht darauf. Denkbar ist auch, dass am Hahn ein große Gewerbegebiet entsteht, mit einem Verkehrslandesplatz ohne regelmäßigen Flugtransport.

Eine grundsätzliche Entscheidung über die Zukunft des Airports und insbesondere der dortigen Flughafengesellschaft mit gut 300 Beschäftigten soll nach Angaben aus der Landes-Koalition noch im November fallen. Zwei Beraterfirmen sollen binnen Wochenfrist alle Angebote prüfen. Ende des Monats dürfte dem Hahn das Geld ausgehen, dann muss die Landesregierung entscheiden, ob sie ihn mit einem Millionenbetrag aus einem Darlehen vorläufig am Leben erhält. Die Insolvenz des Airports, der dank guter Ausstattung und einer Nachtflugerlaubnis zu den attraktivsten deutschen Regionalflughäfen gehört, ist damit noch nicht vom Tisch. Auch andere deutsche Bundesländer haben defizitäre Klein-Flughäfen, die mittlerweile als unverkäuflich gelten. Sie halten sie, wie derzeit Rheinland-Pfalz, mit Steuergeld am Leben. Von 2024 an wird das nach EU-Regeln aber verboten ein.

© SZ vom 31.10.2016

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