Rheinland-Pfalz Kandidat statt Kandidatin

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner und ihr möglicher Nachfolger als Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen Christdemokraten Christian Baldauf.

(Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa)

Julia Klöckner will nicht ein drittes Mal als Spitzenkandidatin zur Landtagswahl antreten. Sie will Christian Baldauf vorschlagen, zwei weitere Kandidaten hegen aber auch Interesse.

Von Susanne Höll, Mainz

Vor drei Jahren war Rheinland-Pfalz politische Avantgarde: Erstmals seit Kriegsende konkurrierten in Deutschland zwei Frauen bei der Landtagswahl um den Posten der Ministerpräsidentin. Die SPD-Politikerin Malu Dreyer schlug damals die CDU-Herausforderin Julia Klöckner. Bei der nächsten Abstimmung, die regulär 2021 stattfinden würde, wird es wohl keine Damenwahl mehr geben.

Klöckner, inzwischen Bundeslandwirtschaftsministerin, aber immer noch Landesvorsitzende der rheinland-pfälzischen Christdemokraten, will an diesem Montagabend in Mainz im Landesvorstand einen Vorschlag machen, wer die Union als Spitzenkandidat in die nächste Wahl führen soll. Klar ist: Es ist eine enorme Herausforderung die populäre Malu Dreyer zu schlagen, sollte sie wieder kandidieren. Vieles spricht dafür, dass Julia Klöckner dafür am Montag Christian Baldauf vorschlagen wird. Baldauf ist Klöckners Vorgänger und Nachfolger im Amt des Landesfraktionschefs.

Zweimal hat die CDU mit ihrer Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz schon verloren

In Rheinland-Pfalz war lange spekuliert worden, ob Klöckner ein drittes Mal versuchen könnte, Ministerpräsidentin zu werden. 2011 unterlag sie gegen den damaligen SPD- und Regierungschef Kurt Beck, fünf Jahre später gegen dessen Nachfolgerin Dreyer - eine Schlappe, die für Klöckner besonders schmerzhaft war. Im Wahlkampf hatte sie bereits Plakate mit dem Aufdruck "neue Ministerpräsidentin" und ihrem Konterfei aufstellen lassen. Einen dritten Anlauf werde sie sich nicht leisten, prophezeiten heimische Parteikollegen schon seit Monaten. Eine Job-Hopperin, mal Mainz, mal Berlin, das fänden konservative Leute schlicht nicht attraktiv.

Baldauf ist Pfälzer, Jurist, 51 Jahre alt, ein umgänglicher Mensch und bodenständig. Ihm fehlt jeglicher Hang zur demonstrativen Selbstdarstellung, die die eher biedere Landes-CDU an Klöckner einst bewunderte, bevor sie diese zu fürchten lernte. Baldauf dagegen ist wenig geltungssüchtig, eher ein Team-Arbeiter, der intern Kritik geradezu einfordert. In Zeiten der Fraktionschefin Klöckner wagten die Kollegen oft erst zu sprechen, wenn sie ihr Einverständnis signalisiert hatte.

Trotzdem ist es längst nicht sicher, dass Baldauf auch mit Klöckners Votum Spitzenkandidat werden würde. Als Oppositionspolitiker hat er bisher kein klares politisches Profil entwickelt, auch ein König der Herzen ist er nicht. Das erhöht die Chancen zweier CDU-Landräte, denen Interesse an einer Kandidatur nachgesagt wird: Günther Schartz aus dem Kreis Trier-Saarburg und der forsche Marlon Bröhr, ein Zahnmediziner aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis. Es ist daher gut möglich, dass im Fall mehrerer Bewerber eine Road-Show veranstaltet wird, bei der sich die Kandidaten der Basis präsentieren. Entschieden wird dann auf einem Landesparteitag 2020.

Doch selbst wenn die CDU in zwei Jahren wieder einmal stärkste Partei in ihrem einstigen Stammland Rheinland-Pfalz werden sollte: Nach 30 Jahren Opposition wäre die Rückkehr in die Staatskanzlei längst nicht gesichert. Sie wird mindestens einen Koalitionspartner brauchen, womöglich die eher linken Grünen im Land, die jetzt in einer Ampel-Koalition mit der FDP unter Malu Dreyer mitregieren. Baldauf hat jedenfalls schon einmal eine Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Klimaschutz ins Leben gerufen.