CDU Angriff auf fremdem Terrain

Der YouTuber Rezo

(Foto: dpa)

Reagieren? Und wenn ja: wie? Das Rezo-Video stellt die Partei vor ein großes Problem.

Von Robert Roßmann, Berlin

In jedem Wahlkampf gibt es überraschende Herausforderungen, das weiß kaum einer besser als Klaus Schüler. Der Mann ist bereits seit zwölf Jahren Bundesgeschäftsführer der CDU - und damit oberster Wahlkampf-Organisator seiner Partei. Aber dieses Problem dürfte selbst Schüler noch nicht gehabt haben. Am Samstag hat der Youtuber Rezo ein Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU" veröffentlicht. Knapp eine Stunde ist das Werk lang - es ist eine vernichtende Bewertung des Schaffens der Union. Die SPD bekommt zwar auch Unmut ab, und am Ende ruft Rezo dazu auf, weder die Union, noch SPD oder AfD zu wählen. Aber der Großteil seiner Kritik trifft doch die CDU, der er vorwirft, "unser Leben und unsere Zukunft" zu zerstören. Um zu ermessen, wie groß das Problem ist, das Rezo der CDU damit bereitet, genügt ein Blick auf zwei Zahlen. Das Video wurde bis Mittwochabend gut 3,7 Millionen Mal aufgerufen. Das ZDF-Duell zur Europawahl zwischen den Spitzenkandidaten Manfred Weber und Frans Timmermans hatte nur 1,68 Millionen Zuschauer.

Angriffe der politischen Gegner sind Parteien gewohnt, darauf ist man vorbereitet. Aber wie geht man mit einem 26-jährigen Youtuber um? Soll man auf ihn eingehen oder vergrößert man damit nur die Aufregung? Die CDU-Spitze schwieg die ersten Tage. Angesichts ständig steigender Aufruf-Zahlen versuchte sie am Mittwoch dann aber doch, dagegenzuhalten. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak klagte, Rezo verbreite "Falschbehauptungen". Der Youtuber habe "keine Hemmungen, Dinge im Internet einfacher darzustellen, als sie tatsächlich sind". Einfache Lösungen würden oft "lauten Applaus" bekommen, am Ende aber nicht weiterhelfen, sagte Ziemiak dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ätzte: "Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab." Außerdem produzierte die CDU am Mittwoch mit Philipp Amthor eine Art Gegen-Video zu Rezo. Amthor ist der jüngste CDU-Bundestagsabgeordnete - er ist genau so alt wie der Youtuber. In den sozialen Netzwerken gab es in Erwartung des Videos sofort Hunderte hämische Kommentare. Das für den Nachmittag angekündigte Amthor-Video war am Abend jedoch immer noch nicht veröffentlicht.

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Die Parteispitze verändert ihren Ton gegenüber dem Youtuber. Am Mittwoch griff sie ihn noch scharf an. Am Donnerstag versucht sie eher, um ihn zu werben.   Von Robert Roßmann