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Retter von Olympia 2002:Als Romney den Karren aus dem Dreck zog

"Riesige Verdienste" werden ihm noch heute bescheinigt: Mitt Romney organisierte den reibungslosen Ablauf der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City. Im Wahlkampf führt der Republikaner das damals gewonnene Image als Sanierer als Beleg für seine Management-Qualitäten an.

Die Lage schien aussichtslos zu sein, das Desaster unausweichlich. Anfang 1999 standen die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City vor dem Aus. Nach einem Korruptionsskandal drohten Sponsoren mit dem Rückzug, das Budget rutschte ins Minus. Nur ein erfahrener Sanierer konnte den Karren aus dem Dreck ziehen - Mitt Romney.

OLYMPISCHE MEDAILLEN - SALT LAKE CITY 2002

"Mitt musste ein Flugzeug reparieren, während es schon in der Luft war", sagt ein Weggefährte über Mitt Romneys Arbeit als Organisator der Winterspiele 2002.

(Foto: DPA/DPAWEB)

So zumindest hat es der Republikaner 2004 im Buch "Turnaround" beschrieben, und so steht es in der Biografie auf der Internetseite des Präsidentschaftskandidaten. Um sein Image als Wirtschaftsexperte zu untermauern, verweist er nicht nur auf seine Karriere bei Bain Capital, sondern auch auf seinen Erfolg als Olympia-Organisator. Für diese Aufgabe hatte er im Februar 1999 den Finanzinvestor verlassen und auf sein Millionengehalt verzichtet. Das zahlte sich aus. Olympia 2002 machte Romney in ganz Amerika bekannt, was ihm half, im selben Jahr zum Gouverneur in Massachusetts gewählt zu werden.

Dieses ruhmreiche Image will er auch während seiner ersten Auslandsreise pflegen. Am Donnerstag traf Romney in London zwar den britischen Premier David Cameron, und auch ein Termin mit Oppositionsführer Ed Miliband stand noch auf dem Programm. Doch wichtiger für den Wahlkampf zu Hause ist ein Termin an diesem Freitag: Da nimmt der 65-Jährige an der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in London teil, um vor dem Logo mit den fünf Ringen Bilder für den Wettstreit mit Barack Obama aufnehmen zu lassen.

Romneys Notfall-Einsatz vor zehn Jahren preisen viele seiner damaligen Weggefährten bis heute. David D'Alessandro, einst Chef des Sponsors John Hancock Mutual Life Insurance, schwärmt: "Mitt musste ein Flugzeug reparieren, während es schon in der Luft war." Dagegen schreibt das Salt Lake Magazine in einer Titelgeschichte über den "Mythos Mitt", die Spiele seien nie gefährdet gewesen.

Ehemaliger Bürgermeister attestiert Romney "riesige Verdienste"

Falsch, meint Rocky Anderson, damals Bürgermeister von Salt Lake City. Er wurde im Jahr 2000 gewählt und hat Romney aus nächster Nähe beobachtet. Bevor der zum Kandidaten aufgestiegen sei, habe niemand dessen "riesige Verdienste" bestritten. Anderson widerspricht auch der Darstellung des Obama-Lagers, Romney sei bis 2002 bei Bain Capital gewesen und für die Verlagerung von US-Jobs ins Ausland mitverantwortlich: "Mitt hat all seine Zeit und Energie in die Spiele gesteckt."

Der 61-jährige Anderson steckt selbst im Wahlkampf: Aus Frust über Obamas Politik hat er die Demokraten verlassen und die Justice Party gegründet, für die er nun als Präsidentschaftskandidat antritt, mit einem Team aus vier bezahlten Mitarbeitern. Attacken auf den Konkurrenten Romney hätten ihn ins Rampenlicht katapultieren können. Doch Anderson bleibt bei seiner Meinung: "Romneys Fleiß und seine Kompetenz sind beeindruckend."