Süddeutsche Zeitung

Zurückgeschickte Waren:Der Kunde sollte für Retouren zahlen

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Die Grünen wollen verbieten, dass Konzerne Retouren wegschmeißen. Warum nicht die Kunden zur Kasse bitten? Wer Ware zurücksendet, soll die Kosten übernehmen.

Kommentar von Michael Kläsgen

Natürlich ist es nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch ein Wahnsinn, dass Onlinehändler neuwertige Ware einfach vernichten, nur weil sie vom Kunden zurückgeschickt wurde. Herstellung, Transport und Vernichtung belasten die Umwelt, und den Händler kostet die Retoure Geld. Aber mit dem Verbot, zurückgeschickte Ware zu entsorgen, wie es Grünen-Politikerin Göring-Eckardt fordert, ist dem Irrsinn kaum beizukommen.

Global agierende Konzerne wie Amazon könnten die Entsorgung einfach ins Ausland verlagern. Oder sie schenken dem Kunden die Ware, so wie sie es heute schon tun, mit dem Ergebnis, dass der Kunde die Entsorgung im Zweifel selber übernimmt. Der Umwelt ist damit nicht geholfen. Um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, müssen die Kunden einbezogen und die Unternehmen umweltpolitisch stärker in die Pflicht genommen werden. Dafür wäre die Politik zuständig.

Wenn Kunden an den Kosten beteiligt werden, schicken sie weniger zurück

Im Grund handelt es sich um einen Missbrauch des Widerrufsrechts, das der Gesetzgeber großzügig zugunsten der Verbraucher ausgelegt hat. Wenn die Kosten einer Retoure aber wenigstens zum Teil auf diese umgelegt werden müssten, ließe sich das hohe Aufkommen der Rücksendungen reduzieren. Jeder dächte dann genauer darüber nach, ob er die Ware auch wirklich braucht. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Weil Retouren jedoch kostenlos sind, ist das bei vielen Kunden nicht so. Bei Kleidung geht mehr als jeder zweite Artikel wieder zurück. Manche Kunden lassen sich Pakete kommen und diese wieder zurückgehen, als stünden sie in der Umkleidekabine und ließen sie sich Kleidungstücke hin- und hertragen. Diesem Missbrauch können Gesetzgeber und Unternehmen mit Aufklärung und eben einer Bepreisung entgegenwirken.

Nur ein geringer Teil der Retouren wird allerdings tatsächlich entsorgt. Die meisten Produkte kommen als B-Ware wieder in den Verkehr. Kleidung wird oft wieder aufbereitet. Manche Retouren sind jedoch unverkäuflich und sollten im Interesse des Verbrauchers besser im Müll landen. Bei Lebensmitteln etwa kann das der Fall sein, und fast verwelkte Blumen oder Pflanzen will auch keiner haben. Und bei manchen Produkten, etwa retournierten, aber neuwertigen Matratzen, sind die Händler sogar gesetzlich verpflichtet, diese auf die Müllhalde zu befördern, weil Hygienevorschriften sie dazu zwingen.

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Quelle:
SZ vom 11.06.2019
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