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Republikaner-Parteitag:Trump: Als Präsident würde ich Erdoğan keine Ratschläge geben

Republican U.S. presidential nominee Donald Trump applauds during the third night of the Republican National Convention in Cleveland

"Amerika zuerst": Donald Trump in Cleveland.

(Foto: REUTERS)

Sein Motto sei "Amerika zuerst", sagt Trump in einem Interview. Kritik an anderen Ländern will er deshalb sein lassen. Auch Schutzverpflichtungen für Nato-Partner stellt er in Frage.

Von Matthias Kolb, Cleveland

Während in der Quicken Loans Arena der dritte Tag des Parteitags beginnt, sitzt Donald Trump in seiner Hotel-Suite und gibt zwei Reportern der New York Times ein Interview über seine außenpolitische Agenda. 45 Minuten dauert das Gespräch und da Trump nun offiziell Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist, haben seine Aussagen ein ziemliches Gewicht.

Inmitten einer turbulenten politischen Weltlage, mit einem Putschversuch in der Türkei und nach diversen Terroranschlägen, wiederholt der Republikaner einen Tag vor seiner wichtigsten Rede beim Parteitag, dass er vom Weißen Haus aus den türkischen Präsidenten Erdoğan für dessen Beschränkung der Bürgerrechte, die Massenverhaftungen politischer Gegner und das harte Vorgehen gegen Journalisten nicht kritisieren würde.

Trump: USA können anderen Staaten keine Vorträge halten

Die USA müssten zunächst "ihren eigenen Saustall ausmisten", bevor sie versuchten, das Verhalten anderer Staaten zu beeinflussen, argumentiert Trump. Wörtlich sagt er: "Ich glaube, wir haben kein Recht, anderen Staaten Vorträge zu halten. Wie können wir jemanden belehren, wenn bei uns Leute kaltblütig Polizisten erschießen?" Diese Haltung gelte auch für andere autoritär geführte Staaten, die mit den USA verbündet seien.

Über Recep Tayyip Erdoğan und dessen Reaktion auf den Umsturzversuch äußert sich der 70-Jährige nur positiv: "Ich rechne es ihm hoch an, dass er dieses Ding rumgerissen hat." Auf die Frage, ob Erdoğan den Putschversuch denn nicht ausnütze, um politische Säuberungen durchzuführen, kommen von dem Republikaner keinerlei Mahnungen, rechtsstaatliche Prinzipien einzuhalten oder den Verhafteten einen fairen Prozess zu garantieren.

Trump erneuert stattdessen sein Bekenntnis, dass er seine Außenpolitik nach dem Motto "Amerika zuerst" ausrichten wolle. Andere bemerkenswerte Aussagen aus dem NYT-Interview.

  • Falls ihm nicht gelingen sollte, mit Kanada und Mexiko "radikal bessere Konditionen" für das Nafta-Abkommen auszuhandeln, sei er bereit, das nordamerikanische Freihandelsabkommen aufzukündigen.
  • Trump wiederholt seine Absicht, alle Allianzen mit Verbündeten daraufhin zu überprüfen, ob der Partner dafür genug bezahle. Trump stellt offen in Frage, dass die USA unter seiner Präsidentschaft die unter Nato-Staaten geltende Sicherheitsgarantie erfüllen würden. Etwa im Fall, dass Russland die baltischen Staaten angreifen sollte, wolle er zunächst prüfen, ob Estland, Lettland und Litauen "ihre Verpflichtungen uns gegenüber" erfüllt haben.
  • Trump betont, dass er mit seinem Motto "Amerika zuerst" (erstmals verwendete er es Ende April in einer außenpolitischen Grundatzrede) nicht an die isolationistischen Tendenzen von Charles Lindbergh anknüpfe wolle. Dieser hatte Anfang der Vierziger Jahre von "America First" gesprochen. Für ihn sei klar: "Wir müssen uns zuerst um dieses Land kümmern, bevor wir uns um den Rest der Welt kümmern."
  • In Trumps Augen ist es viel wichtiger, die Dschihadisten des Islamischen Staats zu besiegen, als den syrischen Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Dieser sei zwar ein "schlechter Mensch", der viele schlimme Sachen getan habe, doch im Vergleich zum IS bedrohe er die USA nicht.

Das komplette Interview, das David Sanger und Maggie Haberman mit Donald Trump geführt haben, können Sie hier nachlesen. Äußerst aufschlussreich ist auch das Transkript der ersten langen Diskussion, die der Republikaner mit den Star-Autoren der New York Times Ende März führte.

© SZ.de/ghe

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