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Republikaner-Kandidat mit libertären Ideen:Harte Kindheit, klare Meinungen

Kürzlich stellte eine unabhängige Expertenkommission fest, dass es Ron Paul im Gegensatz zu Mitt Romney, Newt Gingrich und Rick Santorum gelingen würde, die amerikanischen Staatsschulden von mehr als 15 Billionen Dollar zu senken. Allerdings sehen die Fachleute seinen wichtigsten Vorschlag extrem skeptisch: Paul will die Notenbank Fed abschaffen und den Goldstandard für den Dollar wieder einführen.

Debatte der republikanischen Spitzenkandidaten in Mesa

Seine Anhänger hat Ron Paul vor allem unter den jungen Amerikanern.

(Foto: action press)

Ohne die Kenntnis seiner Biographie ist das Weltbild von Ron Paul kaum zu verstehen. Er wurde 1935 geboren und laut New York Times "durch harte Zeiten geformt". Seine Eltern hatten zwei Tage vor dem Ausbruch der Weltfinanzkrise 1929 geheiratet und Ron sowie seine vier Brüder mussten früh im Milchladen der Familie mitarbeiten. Ehefrau Carol, die er vor 55 Jahren heiratete, ist das einzige Mädchen, mit dem Ron Paul je ausgegangen ist, und das Medizinstudium finanzierte er sich als Tellerwäscher.

Seine Kommilitonen erinnern sich an zwei Dinge: Paul bestellte stets Cola, wenn sie Bier tranken - und er warnte schon damals vor zu viel Einfluss des Staates. Sheldon Weinstein, der mit Paul in einem Krankenhaus in Detroit arbeitete, berichtet ähnliches: "Er redete immerzu davon, dass die Amerikaner in Vietnam nichts zu suchen hätten und dass Gold in Fort Knox gelagert sei." 1968 eröffnete Paul, der Abtreibungen strikt ablehnt, eine Arztpraxis in Texas, wo sich bald die Wirtschaftsbücher stapelten. Bereits an der Universität hatte er die Werke der österreichischen Ökonomen Friedrich Hayek und Ludwig von Mises ebenso verschlungen wie die politphilosophischen Romane von Ayn Rand.

Die Entscheidung von Präsident Richard Nixon, 1971 die Bindung des Dollars an das Edelmetall aufzugeben, ist in Pauls Augen die Ursünde - und motivierte ihn, in die Politik einzusteigen. 1976 wurde er im zweiten Versuch ins Repräsentantenhaus gewählt, wo er sechs Jahre als Abgeordneter tätig war. Lange Zeit gelang es Paul nicht, Mitstreiter für seine Agenda zu finden und als er 1988 für die Libertäre Partei bei den Präsidentschaftswahlen antrat, erhielt er 0,47 Prozent der Stimmen. Seit 1997 sitzt er erneut im Kongress und gilt mit seinen ständigen Forderungen nach Ausgabenkürzungen als "Pate der Tea Party".

Als Paul 2007 seine Kandidatur für die Republikaner ankündigte, habe ihn das zunächst nicht interessiert, erinnert sich Joe Bozzi. Wochen später habe er nach einer Internet-Recherche festgestellt, dass sich in ganz Amerika Unterstützergruppen gebildet hatten, und so wurde der IT-Spezialist aktiv. "Die Medien haben uns völlig ignoriert, doch damals haben wir die Grundlage für die heutige Arbeit gelegt", meint Bozzi, der das Büro und die Materalien mit den anderen Aktivisten aus eigener Tasche finanziert. Auch wenn der Milliardär Peter Thiel 2,6 Millionen Dollar für das Super-Pac "Endorse Liberty" gespendet hat, bekommt Paul, der auf eine breite Unterstützerbasis zählen kann, vor allem Kleinspenden.

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