Was die Aufgabe eines Reporters ist, lässt sich recht einfach beschreiben: Ein Reporter hockt nicht am Schreibtisch. Ein Reporter geht raus und schreibt auf, was er sieht.
Die besonders Mutigen berichten von den Frontlinien der Welt, recherchieren entlang von Schützengräben, werden auch mal von Drohnen verfolgt. Solchen Gefahren sind die Kollegen hierzulande natürlich nicht ausgesetzt, und doch darf man die heimischen Gefilde nicht unterschätzen. Unvergessen die Recherche zu der Asiatischen Hornisse, einem fiesen Insekt, das sich in Deutschland ausbreitet. Erster Treffer im Internet: ein Video des SWR, darin ein Reporter mit einer mutmaßlich gigantischen Beule im Gesicht. Reporter sein heißt, sich der Welt auszusetzen. Mit allen Sinnen, so lernt man das schon an der Journalistenschule.
Manchmal hat man Glück und ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Begleitet zum Beispiel die Wohnungsbehörde auf der Suche nach illegal vermieteten Wohnungen. Klingelt an zehn Türen, nichts passiert – bis dann doch ein Mieter die Tür öffnet, in Unterhose und mit muffigem Blick, ja, bitte? Das nennt man dann Reporterglück.
Und manchmal hat man Pech. Erinnerungen an den Flutsommer 2021, Armin Laschet unterwegs im Katastrophengebiet. Beklemmende Stimmung, betroffene Gesichter – aber Laschet lacht, eingefangen von Kameras. Was denn da los gewesen sei, wollten die Redaktionen im Anschluss wissen. Viele Reporter waren vor Ort gewesen und hatten doch nichts mitbekommen von Laschets Lacher. Dem Moment, der die Wahl 2021 mitentschied.
Das Schicksal des Reporters ist es, immer nach dem besonderen Augenblick Ausschau zu halten. Und damit zu leben, ihn manchmal auch einfach zu verpassen.
