Altersversorgung:Arbeitgeber kritisieren Rentenanstieg um fünf Prozent

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Die Steigerung um mehr als fünf Prozent beruht auf Änderungen an der Berechnungsformel. Diese könnte erneut angepasst werden.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Führende Vertreter der Deutschen Rentenversicherung haben bestätigt, dass sich für kommendes Jahr eine kräftige Rentenerhöhung abzeichnet. Laut dem Entwurf des Rentenversicherungsberichts der Bundesregierung können westdeutsche Rentner zum 1. Juli 2022 mit einem Rentenplus von 5,2 Prozent rechnen. Im Osten könnten die Renten sogar um 5,9 Prozent steigen. Für das Jahr 2023 sagen die Schätzer Stand jetzt 4,9 Prozent im Westen und 5,7 Prozent im Osten voraus.

Allerdings sind all diese Zahlen noch mit Unsicherheiten behaftet, worauf beide Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel für die Arbeitgeberseite und Anja Piel für die Gewerkschaften, am Mittwoch hinwiesen. Endgültig wird die Rentenanpassung erst im März 2022 festgelegt.

Weniger einig sind sich die beiden Vorsitzenden mit der Bewertung des absehbaren Rentenanstiegs. Konkret geht es dabei um den sogenannten Nachholfaktor in der Rentenversicherung. Den hat der bisherige Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) 2018 ausgesetzt - was die kräftige Rentenerhöhung im kommenden Jahr überhaupt erst möglich macht. Wäre der Faktor nämlich noch in Kraft, fiele die Rentenerhöhung nur halb so hoch aus. Der Grund: Dieses Jahr hätten die Renten eigentlich sinken müssen, wegen der coronabedingt gesunkenen Löhne im Vorjahr. Das aber verhindert die vor Jahren eingeführte Rentengarantie. Die ausgelassenen Kürzungen würden aber normalerweise qua Nachholfaktor mit den Rentensteigerungen der Folgejahre verrechnet werden, bis der Ausgleich geschafft ist. Das fällt nun weg.

Piel verwies am Mittwoch darauf, dass es ohnehin immer Wellenbewegungen bei den Rentenanpassungen gebe und auf Erhöhungen wieder Nullrunden folgten. Gunkel dagegen sagte, er hielte es für "sachgerecht", den Nachholfaktor wieder einzuführen, das würde auch die langfristige Finanzierbarkeit der Rente erleichtern.

Insgesamt hat die Corona-Krise die Rentenversicherung weniger stark belastet als angesichts des Wirtschaftseinbruchs teilweise befürchtet worden war. Piel sprach zwar von "dramatischen Rekordzahlen bei der Kurzarbeit, sinkender beitragspflichtiger Beschäftigung und steigender Arbeitslosigkeit"; die Beitragsausfälle durch Kurzarbeit schätzt die Rentenversicherung von April 2020 bis September 2021 auf gut 2,1 Milliarden Euro. Das allerdings entspricht nur 0,7 Prozent der Arbeitnehmerbeiträge in diesem Zeitraum. Auch die in der Krise gestiegene Arbeitslosigkeit hat sich nur moderat auf die Rentenversicherung ausgewirkt, weil die Bundesagentur für Arbeit für Kurzzeitarbeitslose Rentenversicherungsbeiträge überweist.

Laut Piel rechnet die Rentenversicherung in diesem Jahr mit einem kleinen Defizit von 0,5 Milliarden Euro, das sich aber in den kommenden Jahren "deutlich" erhöhen werde, unter anderem wegen des demografischen Wandels. Finanziert werden soll diese Entwicklung zunächst durch den Abbau von Rücklagen.

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