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Rente:Noch ein Vorschlag

Viele Ältere wollen länger arbeiten, die Mehrheit aber kann das nicht.

Von THOMAS ÖCHSNER

Es gehört zu den Ritualen der Rentendebatte, dass alle paar Monate irgendeiner fordert, die Lebensarbeitszeit weiter zu erhöhen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat jüngst vorgeschlagen, das Eintrittsalter in den Ruhestand an die Lebenserwartung zu koppeln. Die Junge Union pocht auf die Rente mit 70. Nun folgt die Bundesbank, sie will die Regelaltersgrenze für die Rente auf 69 Jahre erhöhen. Über alle diese Ideen kann man reden, derzeit sind solche Vorstöße aber fehl am Platz.

Gewiss, immer mehr ältere Arbeitnehmer würden gerne länger arbeiten und können dies auch, weil sie fitter sind als ihre Eltern mit 60 oder 65. Die Lebenswirklichkeit ist aber sogar von der Rente mit 67 oft weit entfernt. Gerade einmal ein Drittel der 60- bis 64-Jährigen hat noch einen sozialversicherungspflichtigen Job. Noch schlechter sind die Chancen, jenseits der 65 einen Arbeitgeber zu finden. Außerdem scheiden viele Arbeitnehmer vorzeitig wegen gesundheitlicher Probleme aus dem Erwerbsleben aus.

Nun gibt es Fortschritte: Vor allem große Betriebe richten Arbeitsplätze so ein, dass ihre Fachkräfte länger gesund und ihnen möglichst lange erhalten bleiben. Die Bundesregierung führt bald die Flexi-Rente ein. Rente plus Job lassen sich dann leichter miteinander kombinieren. Daran sollten alle weiterarbeiten. Über die Rente mit 69 lässt sich in ein paar Jahren immer noch trefflich streiten.

© SZ vom 16.08.2016
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