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Religion:Berufskolleg für Imame

Islamische Theologie wird an deutschen Universitäten bereits angeboten. Doch Lehrgänge, in denen muslimische Geistliche die praktische Arbeit in den Moscheegemeinden lernen können, gibt es bislang nicht. Das soll sich jetzt ändern.

Können Imame für deutsche Moscheen künftig auch in Deutschland ausgebildet werden? Über diese Möglichkeit wird schon eine Zeitlang diskutiert, nun scheint es in Niedersachsen konkreter zu werden: Am Donnerstagabend sollte in Osnabrück ein Trägerverein gegründet werden, in dem islamische Verbände und Experten ein Kolleg zur praktischen Ausbildung von Imamen entwerfen wollen.

An dem geplanten Projekt würden sich islamische Theologen der Universität Osnabrück zusammen mit Dachverbänden von Moscheegemeinden und anderen Verbänden beteiligen, so das Bundesinnenministerium auf Anfrageder Süddeutschen Zeitung. Eine Sprecherin begrüßt die Initiative als "Modellvorhaben", das "verbandsübergreifend sein und bundesweit ausstrahlen" solle. Die Bundesregierung betrachte dies "als ein bedeutendes integrationspolitisches Thema."

In Deutschland leben etwa 4,5 Millionen Muslime, und geschätzt gibt es etwa 2500 Moscheen. Die meisten ihrer Imame kommen aus dem Ausland, vor allem aus der Türkei. Das führt immer wieder zu Kritik. "Dass wir uns Jahrzehnte darauf verlassen haben, dass für die Gastarbeiter Imame aus der Türkei kamen, reicht für das 21. Jahrhundert nicht mehr aus", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im März. Islamische Theologie wird an deutschen Universitäten zwar bereits angeboten, nicht aber die Praxis in Gemeinden wie dies bei Pfarrern oder Rabbinern der Fall ist.

Das soll sich ändern, falls die vagen Pläne Konturen annehmen. Das Bundesinnenministerium stellt finanzielle Hilfe in Aussicht und weist darauf hin, dass Ausbildung und Einsatz von religiösem Personal aus verfassungsrechtlichen Gründen Sache der religiöser Gemeinschaften sei. Eine staatliche "Imam-Ausbildungsregelung" könne und werde es nicht geben. Zu den Unterstützern sollen ein Lehrstuhl der Uni Osnabrück und der Zentralrat der Muslime gehören, nicht aber der Verband Ditib. "Es ist ein mutiger und konsequenter Schritt in die richtige Richtung", sagt Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU): "Der Verein plant, dort anzuschließen, wo das Studium aufhört."