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Reisewarnung:Ein klares Zeichen setzen

Es ist gut, wenn die Bundesregierung das Instrumentarium der Reisewarnung auch gegen Einwände und Interessen anderer einsetzt. Am Ende ist aber die Achtsamkeit jedes Einzelnen gefragt.

Von Monika Maier-Albang

Man hatte das ja schon mal, im Juni. Da durfte, wer von Italien kam und nach Deutschland wollte, zwar durch Österreich reisen, aber dort nicht stoppen. Und nun? Sind die Nachbarn wieder hellwach. Für Kroatien, wo die Fallzahlen steigen, hat das Land eine Reisewarnung ausgesprochen.

Und wie soll Deutschland umgehen mit seinen Grenzen und Heimkehrern, die möglicherweise das Virus mitbringen - aus ihrem Urlaub, vor allem wohl aber von Verwandtenbesuchen in Bulgarien, dem Kosovo oder der Türkei? Die Grenzen wieder dichtmachen? Auf gar keinen Fall. Es wäre schlecht für die Wirtschaft, verheerend wäre es aber vor allem für den Zusammenhalt Europas und seiner Bürger. Man muss eine umsichtige Lösung finden. Aber: Man muss auch klare Zeichen setzen in Richtung jener Länder, in denen die Fallzahlen steigen. Mit der Reisewarnung, die eben warnt und gleichzeitig auf Eigenverantwortung setzt, hat die Bundesregierung ein ausreichendes Instrumentarium zur Hand. Und es ist gut, wenn sie es wie jetzt, im Fall Spaniens, auch gegen die Einwände der betroffenen Regierung und die Interessen mächtiger Tourismuskonzerne einsetzt. Stark kann eine Regierung aber nur sein, wenn ihr Handeln von den Bürgern mitgetragen wird. Deshalb ist nach wie vor die Achtsamkeit jedes Einzelnen gefragt.

© SZ vom 18.08.2020

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