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Reichtum im US-Wahlkampf:Wer es zum reichsten Präsidenten hätte bringen können

Thomas Jefferson, der dritte Präsident, brachte es auf ein (Romney-ähnliches) Vermögen von 212 Millionen Dollar. Jedenfalls zeitweise, das Genie der Amerikanischen Revolution starb völlig überschuldet. Auch der vierte und der siebte Präsident der USA konnten sich großen Reichtums erfreuen: James Madison (101 Millionen) und Andrew Jackson (119 Millionen) waren Besitzer großer Plantagen.

Es dauerte bis Mitte des 19. Jahrhunderts, ehe Amerikas Mittelschicht das Weiße Haus für sich erobern konnte. Mit Millard Fillmore begann eine Ära von Präsidenten, die als gebildete Anwälte oder Professoren schlichte Gehaltsempfänger waren und ohne großes Vermögen geboren wurden. Abraham Lincoln, Amerikas vielleicht bedeutendster Präsident, war in einer Holzhütte zur Welt gekommen und schaffte es nie zum Millionär.

Die Rückkehr des großen Geldes begann dann 1901 ausgerechnet mit Theodore Roosevelt. Der Anführer der progressiven Bewegung, der sich mächtigen Kartellen entgegenstellte und für Sozialreformen kämpfte, besaß zeitweise 125 Millionen Dollar (die er freilich größtenteils wieder verlor). Und dessen Verwandter Franklin Delano Roosevelt, der von 1933 bis 1945 Amerika aus der Großen Depression befreite und durch den Zweiten Weltkrieg führte, tat mit seinen Reformen zwar ebenfalls viel für die "kleinen Leute". Aber er selbst war, mit 60 Millionen Dollar, steinreich.

Nicht immer jedoch kamen Macht und Millionen zusammen. John F. Kennedy etwa hätte es zum reichsten Präsidenten der Vereinigten Staaten bringen können. Aber er fiel in Dallas 1963 den Schüssen eines Attentäters zum Opfer, ehe sein Vater John ihm sein Milliardenvermögen hätte vererben können.

Die Männer, die nach ihm kamen, waren zwar alle ebenfalls Millionäre - aber vergleichsweise bescheiden. Etliche von ihnen wurden erst nach ihrem Abgang reich: Richard Nixon kassierte Honorare für Interviews und Bücher, ähnlich kamen Jimmy Carter und Bill Clinton zu ihrem Geld. Und auch der aktuelle Bewohner des Weißen Hauses, immerhin Enkel eines kenianischen Ziegenhirten, ist als Autor reich geworden: Barack Obamas Vermögen soll etwa fünf Millionen betragen.

Geld aber ist keine Garantie für Erfolg. Die beiden Kandidaten der vergangenen 30 Jahre, die noch reicher waren als heute Mitt Romney, haben sich ihren Traum vom Oval Office nicht kaufen können. Ross Perot, der mit einem Privatvermögen von 3,6 Milliarden Dollar im Rücken als unabhängiger Kandidat antrat, nahm zwar 1992 und 1996 den Republikanern viele Stimmen weg - aber das nützte letztlich nur dem Demokraten Bill Clinton. Und Steve Forbes, der ebenso reiche wie konservative Republikaner, konnte als blasser Anwärter weder 1996 noch 2000 viel Begeisterung mobilisieren.

© SZ vom 27.01.2012/hai
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