bedeckt München 27°

Regierungssprecher: Debüt:Bloß kein Mut zur Wissenslücke!

1. "Das weiß ich nicht!"

Steffen Seibert hat eine ZDF-Vorzeigekarriere hinter sich, mit Stationen in der Nachrichtenredaktion, bei den ZDF-Reportern, als Moderator von Wahlsondersendungen und schließlich als Anchorman bei heute. Er hatte dort mit vielen Themen zu tun, das bringt der Beruf als Nachrichtenjournalist so mit sich: Von Afghanistan bis Zuwanderung, von Arbeitslosenquote bis Zweitwohnsitzsteuer.

Als Regierungssprecher wird er jedoch an seine Grenzen stoßen. Selbst altgediente Profis verlieren im Berliner Regierungsapparat manchmal den Überblick über Entwicklungen, Initiativen, Trends. In der Bundespressekonferenz sitzt Seibert mit dem Rücken zur Wand - auch im übertragenen Sinne. Er hat die Sprecher der Ministerien an seiner Seite, doch alle Fragen kann er nicht delegieren.

Einmal sagen: "Das weiß ich nicht", ist noch kein Beinbruch. Auch ein zweites Mal wird dem Anfänger sicher verziehen. Spätestens beim dritten Mal aber wird es peinlich. "Die versammelte Presse hört nur so lange zu, wie sie den Eindruck hat, dass er mehr davon versteht, was der Kanzler denkt oder will als irgendjemand anderes, den man befragen könnte", mahnt Uwe-Karsten Heye, von 1998 bis 2002 Regierungssprecher unter Gerhard Schröder, in der Zeitschrift Cicero.

Seiberts Vorgänger Ulrich Wilhelm war auch in dieser Hinsicht kaum aus der Ruhe zu bringen. Fehlte ihm einmal das Detailwissen, vertröstete er Journalisten - und rief teilweise noch spät in der Nacht zurück. Daran kann sich Seibert ein Beispiel nehmen.

Dass in seinem Job Vorsicht geboten ist, verdeutlicht ein historisches Beispiel: Als der SED-Funktionär Günter Schabowski 1989 mangels Sachkenntnis über eine neue Ausreiseregelung stotterte, sie gelte "nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich", läutete er das Ende der DDR ein.

Einer der Regierungssprecher von Helmut Kohl, Johnny Klein, klagte einst: "Ich ahnte, das wird ein Drahtseilakt ohne Netz. Inzwischen weiß ich, ein Drahtseil ist auch keins da."