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Regierungskrise in Österreich:Sebastian Kurz wird wohl demnächst der jüngste Kanzlerkandidat aller Zeiten

Sollte es, was wahrscheinlich ist, zu Neuwahlen im Herbst kommen, würde der Wahlkampf zudem parallel zum deutschen verlaufen und die FPÖ-AfD-Achse verstärken. Keine guten Aussichten im Kampf für eine sich reformierende, solidarische EU.

Symptomatisch ist die Entwicklung in Österreich auch wegen des Generationswechsels, der sich hier gerade mit einiger Brutalität vollzieht. Der wohl demnächst jüngste Kanzlerkandidat aller Zeiten hat keine großen Berührungsängste mehr mit den Rechtspopulisten und kann sich eine Koalition mit der FPÖ ohne Weiteres vorstellen. Er verdankt seinen Aufstieg einer Traditionspartei, hat Parteien des alten Typs aber selbst als obsolet bezeichnet. Ansonsten ist er, was seine Positionen und seine Pläne angeht, bisher nicht viel mehr als eine Projektionsfläche.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron ist in Frankreich mit einem Programm angetreten, in dem er sozialliberale, wirtschaftsliberale und proeuropäische Positionen verknüpfte, er hat eine eigene Bewegung gegründet - und als Kandidat der Mitte gewonnen. Sebastian Kurz hat, wenn er antritt, keine Zeit mehr für eine Wahlplattform oder den Umbau der ÖVP. Er ist, aufgrund seiner harten Linie in der Grenzsicherungs- und Flüchtlingspolitik, erst einmal Kandidat der Hardliner, nicht der Mitte.

Die ÖVP wirft sich vor Kurz in den Staub

Der Taktiker Kurz muss ins Risiko gehen. Es wird ihm wohl nicht viel anderes übrig bleiben, als dem Werben seiner Partei zu folgen, die sich bereits mit Zuschreibungen wie "unser Hoffnungsträger", "großes politisches Talent", "Mann mit Strahlkraft", "erste Adresse" vor dem Minister in den Staub wirft.

Erfahrene Kollegen würden dem jungen Mann wohl raten, sich eine Weile nach Brüssel oder in einen Großkonzern abzusetzen und in zehn Jahren als "Messias" (auch diese Zuschreibung kursiert) in die Politik zurückzukehren. Aber Kurz ist ein political animal, und ein sehr ehrgeiziges dazu. Seine Umfragewerte liegen weit über denen der Partei, er wird das Momentum nutzen wollen. Die FPÖ, die seit Jahr und Tag Ausgrenzung und Sprechverbote beklagt, aber in den Ländern fleißig mitregiert, wird das auch tun.

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