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Regierungskrise in Italien:Bersani bekommt Konkurrenz aus den eigenen Reihen

Pier Luigi Bersani steht zunehmend unter Druck.

(Foto: AFP)

Wochen nach der Wahl hat der Sozialdemokrat Pier Luigi Bersani es immer noch nicht geschafft, in Italien eine Regierung zu bilden. Nun stellt ihn sein ehemaliger Konkurrent um die Spitzenkandidatur öffentlich in Frage - und bringt sich selbst als Alternative ins Gespräch.

Die Regierungskrise in Italien nimmt kein Ende: Obwohl Staatspräsident Giorgio Napolitano erst am Dienstag einen Expertenrat einsetzte, um eine grundlegende Reform für das krisengebeutelte Land zu erarbeiten und die Blockade im Parlament aufzuheben, kann Mitte-Links-Chef Pier Luigi Bersani immer noch keine neuen Ergebnisse vorweisen.

Angesichts ausbleibender Erfolge gerät er nun selbst in den eigenen Reihen zunehmend unter Druck. Der über die Grenzen seiner Stadt hinaus bekannte Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, stellte in mehreren Zeitungsinterviews die Führungsrolle Bersanis infrage und bringt sich selbst als Alternative ins Spiel.

Er sei bereit, Ministerpräsident von Italien zu werden, sagte der 38-Jährige, der im Dezember bei der Wahl des Spitzenkandidaten Bersani unterlegen war. Zugleich kritisierte er Bersani dafür, es nicht geschafft zu haben, die politische Blockade nach der Parlamentswahl im Februar zu lösen.

Es sei lächerlich, sich mit der festgefahrenen Lage abzufinden, sagte Renzi zu der italienischen Zeitung "La Repubblica". "Wir müssen etwas tun: eine vom Präsidenten gebildete Regierung, eine große Koalition, oder wir müssen an die Urnen zurückkehren." Alle drei Optionen stoßen bislang auf erheblichen Widerstand im Mitte-Links-Lager.

Mitte-Links befürchtet Wahlsieg Berlusconis

Denn Bersani schließt eine Koalition mit dem Mitte-Rechts-Chef Silvio Berlusconi kategorisch aus. Auch eine von Präsident Giorgio Napolitano initiierte erneute Technokraten-Regierung wird abgelehnt. Und Neuwahlen erscheinen vielen als zu riskant, deuten doch die jüngsten Umfragen auf steigende Unterstützung für Berlusconi hin - der könnte in einem erneuten Wahlgang Mitte-Links die knapp gewonnene Kontrolle über das Abgeordnetenhaus entreißen.

Renzi versucht nun aber, solche Sorgen zu dämpfen und sich selbst als Kandidaten zu positionieren. Mit ihm würde Berlusconi bei möglichen Neuwahlen in Bedrängnis geraten, sagte er. Der Bürgermeister gilt als erheblich marktfreundlicher als Bersani, weshalb er Mitte-Rechts durchaus einige Wähler abjagen könnte. Auch wird ihm aufgrund seiner charismatischen Art zugetraut, einige Stimmen zurückzugewinnen, die an die Protestbewegung des Komikers Beppe Grillo gingen.

Allerdings hat Renzi innerhalb des Mitte-Links-Lagers auch mächtige Gegner, allen voran die Gewerkschaften, die eher Bersani unterstützen. Weder Bersani noch die Führung seiner Sozialdemokratischen Partei wollten sich zunächst zu Renzis Vorstoß äußern.