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Regierungsbildung in Rom:Glück auf, alter Mann!

Sein Name weckt Hoffnung: Giorgio Napolitano. Der Optimismus überträgt sich sogar auf die Aktienmärkte, dort steigen die Kurse. Doch Napolitano ist schon einmal gescheitert - und warum es diesmal gelingen soll, eine Regierung zu bilden, ist unklar.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Hoffnung ein Name wecken kann. Giorgio Napolitano bleibt also Präsident in Italien, am Montagnachmittag wurde er erneut vereidigt. Und an den Märkten zeigten die Kurven prompt in die richtige Richtung: Die Aktienkurse stiegen, die Renditen der Staatsanleihen sanken.

Das ist einerseits verständlich. Napolitano ist derzeit einer der wenigen Politiker in Rom, denen man abnimmt, sich ernsthaft um Italiens Zukunft zu sorgen und etwas gegen die Misere tun zu wollen. Im Meer der Unsicherheit ist den Händlern jedes Stückchen Treibholz recht.

Regierungsbildung in Rom, Giorgio Napolitano, Italien

Italiens Präsident Giorgio Napolitano bei seiner Vereidigung am 22. April 2013 in Rom.

(Foto: Getty Images)

Andererseits verwundert der Optimismus. Napolitano, ein Herr von 87 Jahren, bleibt Präsident. Schön und gut. Doch das löst Italiens Probleme nicht wirklich, weder die wirtschaftlichen noch die politischen. Napolitano hat schon in den vergangenen zwei Monaten versucht, in Rom eine Regierung zusammenzuzimmern. Geglückt ist es ihm nicht. Warum es nun besser klappen soll, ist unklar, zumal die Sozialdemokraten - immerhin die Sieger der jüngsten Wahl - inzwischen in eine tiefe Krise gerutscht sind.

Napolitano könnte demnächst also vor der Frage stehen, vor der auch jeder mögliche Nachfolger gestanden hätte: Soll er eine Neuwahl ausrufen? Auf die große Gefahr hin, dass die Populisten Beppe Grillo und Silvio Berlusconi davon profitieren werden? Dann werden die Märkte eine andere Antwort geben: Italien? Verkaufen!