Reformer:Südafrikas ehemaliger Präsident de Klerk ist tot

Südafrikas ehemaliger Präsident de Klerk ist tot

Frederik Willem de Klerk im Jahr 2015

(Foto: Herbert Neubauer/dpa)

Der Politiker und Friedensnobelpreisträger, der das Ende des Apartheid-Regime einleitete, wurde 85 Jahre alt.

Südafrikas ehemaliger Präsident und Friedensnobelpreisträger Frederik Willem de Klerk ist tot. De Klerk, der 1989 mit einem radikalen Reformkurs die Abschaffung von Südafrikas rassistischem Apartheid-Regime einleitete, sei im Alter von 85 Jahren gestorben, teilte die FW de Klerk Foundation mit. Er sei am Donnerstagmorgen in seinem Haus in der Touristenmetropole Kapstadt friedlich dem Kampf gegen die Krankheit erlegen, hieß es. Im März war bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert worden.

De Klerks Name war untrennbar mit dem von Nelson Mandela verknüpft, mit dem er sich den Nobelpreis teilte. Der Kap-Staat war wegen der systematischen Trennung von Schwarzen und Weißen in den 1980er-Jahren international isoliert. De Klerk galt mit Mandela als Mann eines friedlichen Übergangs - auch wenn später ähnlich wie bei Mandela eine Neubewertung seiner historischen Verdienste einsetzte.

Gegenüber seiner Nationalen Partei argumentierte er damals, mit dem Verlust der sowjetischen Unterstützung hätten die kommunistischen Kräfte unter den Schwarzen ihre Machtbasis verloren. Es gebe nun für die weiße Minderheit eine vielleicht letzte Chance, die Bedingungen für einen Frieden mitzugestalten, solange sie noch real an der Macht sei. In der Rückschau konnte de Klerk 2003 sagen: "Ich könnte heute noch Präsident sein. Aber dann hätte ich über Leichen gehen müssen, über Tausende von Leichen. Und es wäre für eine Sache gewesen, die moralisch nicht zu rechtfertigen ist."

Im Oktober 1993 wurden de Klerk und Mandela gemeinsam für ihren Versöhnungswillen und "ihre persönliche Integrität und großen politischen Mut" mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Bei den ersten demokratischen Wahlen 1994 gewann der Afrikanische Nationalkongress (ANC) mit 62 Prozent der Stimmen erwartungsgemäß eine Mehrheit, de Klerks NP kam auf gut 20 Prozent der Stimmen. In der Einheitsregierung unter Mandela wurde de Klerk einer von zwei Vizepräsidenten, verlor jedoch schnell Einfluss.

Der ANC als Partei konnte mit "FW" bis zuletzt keinen Frieden machen. Auf den Vorschlag der Kapstädter Stadtverwaltung, die Stadtautobahn unterhalb des Tafelberges in "F W de Klerk Boulevard" umzubenennen, beschied die Regierungspartei 2016 brüsk: "Er war Teil der Apartheid. Er kann kein Messias sein."

De Klerk hinterlässt seine zweite Ehefrau Elita, seine Kinder Jan und Susan sowie Enkelkinder, teilte die Stiftung mit.

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