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Referendum in der Ukraine:Selbst im Osten wollen 70 Prozent eine einheitliche Ukraine

Wer dagegen mit Ja stimme, gehe den "ersten Schritt zur Vereinigung" mit anderen ostukrainischen Regionen zu "Neurussland", dem zur Zarenzeit von Moskau beherrschten Osten und Südosten der Ukraine. Putin hatte "Neurussland" am 17. April rhetorisch wiederbelebt und gesagt, Gott allein wisse, warum die sowjetische Regierung es in den Zwanzigerjahren der Ukraine zugeschlagen habe.

Auch in Lugansk lautet die einzige Frage: "Unterstützen Sie die Unabhängigkeitserklärung der Volksrepublik Lugansk - Ja oder Nein?" Gleichwohl ist die Lage vor dem Referendum aus Sicht der Separatisten deutlich schwieriger als zuvor auf der Krim: Während auf der Halbinsel Regierung, Parlament und Behörden und ein großer Teil der Bevölkerung auf die Seite Moskaus überliefen und das Referendum vorbereiteten, ist davon in der Ostukraine wenig zu sehen: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Pew sind selbst im Osten der Ukraine 70 Prozent der Befragten für eine einheitliche Ukraine - und auch 58 Prozent der russischsprechenden Bürger in der Ostukraine.

Wenn es nicht legal geht, dann mit Gewalt und Maniulation

Da die Kiewer Regierung allen von Separatisten besetzten Verwaltungen den Zugang zum elektronischen Wählerregister gesperrt hat, arbeiten die Separatisten mit einer Liste der letzten Parlamentswahl. Offen ist bisher, wie viele Städte und Dörfer überhaupt ihre Wahllokale für die Separatisten bereitstellen werden.

"In Donezk werden weder Schulen noch irgend welche anderen öffentlichen Einrichtungen am Sonntag als Wahllokale öffnen. Donezk spielt keinerlei Rolle bei dem so genannten Referendum", sagte Stadtsprecher Maxim Rowinskij. Auch in der Kleinstadt Ugledar, 40 Kilometer südwestlich von Donezk, sagte eine Verwaltungsvertreterin, es gebe "keinerlei legale Basis" und damit auch "keinerlei Referendum" am Sonntag.

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Freilich gibt es auch andere Mittel als eine legale Basis. Im 50 000-Einwohner-Städtchen Krasnodon an der ukrainisch-russischen Grenze stürmten am Dienstag zehn bewaffnete Maskierte eine Sitzung der mit der Vorbereitung der ukrainischen Präsidentschaftswahl beschäftigten lokalen Wahlkommission. Sie verprügelten deren Vorsitzenden, weil er sich weigerte, das Referendum anzusetzen.

Einen bereits bei "Abstimmungen" in Tschetschenien oder auf der Krim erprobten Ausweg soll der Leiter der Bewegung Russische Nationale Einheit, Alexander Berkaschow, einem Donezker Separatistenführer empfohlen haben, wie ein vom ukrainischen Geheimdienst abgehörtes Telefonat ergab: "Schreibt einfach, dass 100 Prozent mit Ja gestimmt haben!"