Rede bei der Waffenlobby NRA:Trump verspricht Verteidigung des Rechts auf Waffenbesitz

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US-Präsident Trump bei seiner Rede bei der Waffenlobby NRA. (Foto: REUTERS)
  • Bei einem Auftritt beim Jahrestreffen der Waffenlobby NRA hat US-Präsident Trump die Ansicht bekräftigt, dass schärfere Waffengesetze nicht gegen Anschläge und Amokläufe helfen.
  • Wenn in Frankreich das Tragen von Waffen erlaubt sei, hätte es seiner Meinung nach bei den Anschlägen von 2015 nicht 130 Tote gegeben.
  • Er versprach dem Publikum, dass er das Recht auf Waffen verteidigen werde.

Von Jana Anzlinger

"Wir haben viel Liebe zu bieten" - so begrüßte Donald Trump die waffenfanatischste Menschenmenge des Landes. Bereits zum zweiten Mal sprach der US-Präsident beim Jahrestreffen der Waffenlobby NRA.

Bei seiner Rede in Dallas erklärte der US-Präsident, seiner Meinung nach könnten Waffen Anschläge verhindern. Die 130 Menschen, die bei den Terroranschlägen in Paris im November 2015 getötet wurden, hätten Trump zufolge mit einer laxeren Waffengesetzgebung gerettet werden können. "Keiner hatte Waffen in Paris", argumentierte der Präsident - dabei hätte eine Waffe gereicht, um die "kleine Gruppe Terroristen" auszuschalten. Hätte eines der Opfer eine Waffe gezogen, wäre folgendes passiert: "Die Terroristen wären geflohen oder erschossen worden und die Geschichte wäre ganz anders ausgegangen."

"Dank eures Aktivismus und eurer Hingabe habt ihr eine Regierung, die für das Second Amendment kämpft und es schützt", rief Trump der jubelnden Menge entgegen. Solange er Präsident sei, werde der Zweite Verfassungszusatz, der das Recht auf Waffenbesitz garantiert, nie in Gefahr sein, sagte Trump

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Das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen, stammt aus den Frühzeiten der Vereinigten Staaten und wurde 1791 im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten formuliert. Waffen-Befürwortern ist das "Second Amendment" als Grundrecht auf Selbstverteidigung heute noch heilig.

Trump hielt seine Rede mitten in der US-Debatte um Waffenkontrollen, die in letzter Zeit von Schießereien und Amokläufen befeuert wurde. Er sagte, denjenigen, die ihn heute vor dem kontroversen Auftritt gewarnt hätten, habe er geantwortet: "Tschüss, ich steig' jetzt ins Flugzeug."

Über das Verhältnis zu Nordkorea sagte Trump, es sei "wirklich gut"

Trump hatte sich im Wahlkampf als kompromissloser Verteidiger des Rechts auf Waffenbesitz präsentiert. Die NRA unterstützte ihn mit etwa 30 Millionen Dollar Wahlkampfspenden (nach heutigem Kurs etwa 25 Millionen Euro). Im vergangenen Jahr war er der erste amtierende Präsident seit mehr als 30 Jahren, der bei einem NRA-Treffen auftrat. Vor wenigen Wochen verstörte Trump die NRA, als er nach dem Massaker in einer Schule in Florida ein höheres Zulassungsalter für Sturmgewehre forderte.

Bei seiner NRA-Rede erklärte Trump nun, gegen Anschläge sei eine strenge Waffengesetzgebung nicht hilfreich. Schließlich gebe es auch immer mehr Anschläge mit Fahrzeugen und es komme deshalb niemand auf die Idee, Autos oder Lastwagen zu verbieten. Stattdessen sei es wichtig, dass nur Menschen Waffen in die Hand bekämen, die keine "Gefahr für sich und andere" darstellten. Generell vertraue er aber den Bürgern und wolle ihnen deshalb Waffen anvertrauen. Er wiederholte seinen Vorschlag, Lehrer zu bewaffnen.

Außerdem versprach der US-Präsident dem konservativen Publikum harte Einwanderungsgesetze und stärker geschützte Grenzen. Über das Verhältnis zu Nordkorea sagte Trump, es sei "wirklich gut" und machte sich über Zweifler lustig, die seine Atomdrohungen gegen Nordkorea kritisiert hatten. Zudem wiederholte er, dass er die Ermittlungen des Sonderermittlers Robert Mueller in der Russland-Affäre für eine "Hexenjagd" halte.

In den reichen Industrieländern liegen die USA beim Pro-Kopf-Waffenbesitz auf Platz eins. Jedes Jahr sterben in den USA zwischen 20 000 und 30 000 Menschen an Schussverletzungen.

Wegen Sicherheitsbedenken hatte die NRA den Zuschauern untersagt, zu den Reden von Trump und seinem Vize-Präsidenten Mike Pence Waffen mitzubringen. Vielleicht wurde deswegen am Ende seiner Rede der Stones-Song "You can't always get what you want" - gespielt: "Du kannst nicht immer kriegen, was du willst."

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