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Red Hand Day: Kindersoldaten:Schüsse, die nachhallen

"Ich will wieder das Kind sein, das ich vor dem Krieg war." Sie wurden zum Kämpfen gezwungen und traumatisiert - die Kindersoldaten.

Sechs Schicksale in Bildern

6 Bilder

AFP

Quelle: SZ

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Der Red Hand Day erinnert am 12. Februar an die Not von Kindersoldaten. Vor allem Jugendliche sind weltweit in den Aktionstag eingebunden, der seit 2002 jährlich stattfindet. Vor acht Jahren trat ein UN-Protokoll in Kraft, das den Einsatz von Minderjährigen bei Feindseligkeiten ächtet.

Ihre Autobiographie Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr wurde zum Bestseller und machte China Keitetsi zu einer der bekanntesten ehemaligen Kindersoldatinnen. Mit ihrem Engagement will die Uganderin weltweit das Augenmerk auf den Einsatz von Kindern bei Kriegshandlungen lenken.

Rebellen der ugandischen National Resistance Army (NRA) rekrutierten sie als Kindersoldatin, als sie acht Jahre alt war. Sie wurde Zeugin von Mord und Folter - und nach einiger Zeit selbst zur Täterin. Die Flucht gelang Keitetsi erst nach zehn Jahren. Heute lebt die Mutter von zwei Kindern in Dänemark.

Foto: 2004, AFP

Kindersoldat; dpa

Quelle: SZ

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Auch die 26-jährige Jane* war Kindersoldatin in Uganda. Sie gehörte zu den Opfern des Rebellenführers Joseph Kony. Er kämpfte mit seiner paramilitärischen Gruppe der Lord's Resistance Army (LRA) für die Errichtung eines Gottesstaates in Uganda.

Mit zwölf Jahren wurde sie von Männern der LRA verschleppt und sexuell missbraucht. Anders als die meisten Mädchen wurde Jane nicht schwanger - stattdessen machte sie militärische Karriere. Sie berichtet davon, zur Leibwächtergarde Joseph Konys gehört zu haben. Über die Überfälle auf Dörfer und Massaker an Zivilisten kann sie bis heute nicht sprechen.

Gemeinsam mit einer Gruppe junger Frauen konnte Jane 2005 von den Rebellen fliehen und lebt seitdem in einem ugandischen Aufnahmezentrum in Gulu. Für die LRA ist die junge Frau eine Verräterin, auf deren Kopf ein Preis ausgesetzt ist. Nach Schätzungen von Unicef hat die LRA in den vergangenen 20 Jahren mehr als 20.000 Kinder gekidnappt, unter ihnen viele Mädchen.

*Name geändert Foto: dpa

Save the Children/Lionel Healing

Quelle: SZ

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In den Wirren des Bürgerkriegs im Osten der Demokratischen Republik Kongo musste der heute 14-jährige Christian* gleich für zwei verschiedene Parteien kämpfen: Für eine Gruppe der Mai-Mai-Milizen und für die Forces Démocratiques de la Libération du Rwanda (FDLR), eine Rebellengruppe der Hutu.

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind seit Anfang 2007 in der Kriegsregion etwa 400.000 Menschen vertrieben worden.

*Name geändert Foto: Save the Children/Lionel Healing

Unicef/ Anne-Kristin Peter

Quelle: SZ

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Dem Tod entronnen: Bonaventure blieb nach einem Kampf verwundet im kongolesischen Wald zurück. Mitarbeiter der Vereinten Nationen brachten den Jungen, der wie Christian für die FDLR kämpfen musste, wieder zurück in sein Heimatland Ruanda.

Der heute 16-Jährige lebt seit 2007 in einem Rehabilitationszentrum in Muhazi. Von seinen grausamen Erfahrungen zeugt äußerlich nur noch die abgeknickte rechte Hand.

Foto: Unicef/ Anne-Kristin Peter

Save the Children/ Anna Kari

Quelle: SZ

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"An einem Tag im letzten Krieg in Liberia kamen Kämpfer zu uns. Sie erschossen Leute und brannten unsere Häuser nieder. Mein Vater wurde ermordet - meine Mutter und mein Bruder konnten fliehen. Ich wurde gefangen und in den Wald geführt, wo ich sechs Wochen blieb. Ich war dreizehn Jahre alt. 20 andere Mädchen in meinem Alter waren auch da. Wir mussten für die Kämpfer kochen, waschen und Getreide stampfen. Manchmal mussten wir auch ihre Frauen sein."

Sophia* ist heute 17 Jahre alt. Ihr zweiter Fluchtversuch war erfolgreich und sie konnte ihre Mutter wiederfinden. Heute sagt sie: "Es fühlt sich an, als wäre das einer anderen Person passiert. Ich will wieder das Kind sein, das ich vor dem Krieg war."

*Name geändert Foto: Save the Children/ Anna Kari

Unicef/ Susan Markisz

Quelle: SZ

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Bekannt für sein Engagement gegen den Einsatz von Kindersoldaten ist Ishmael Beah.

Seine Eltern und Geschwister kamen im Bürgerkrieg von Sierra Leone ums Leben, kurz darauf musste Ishmael in der Armee selbst Blut vergießen. In einem Krieg, in dem nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 10.000 Kinder kämpfen mussten. Nach drei Jahren durfte er im Alter von 16 Jahren die Truppen verlassen. Der 26-Jährige lebt heute in New York.

Nach Angaben der Hilfsorganisation terre des hommes wird die Zahl der Kindersoldaten weltweit auf 250.000 bis 300.000 geschätzt. Genaue Zahlen sind nur schwer zu ermitteln. Kindersoldaten gibt es nicht nur in Afrika. Eine große Zahl von minderjährigen Kämpfern wird beispielsweise in Birma vermutet. Auch in Afghanistan und auf den Philippinen sollen Kinder an Kriegshandlungen beteiligt sein.

Foto: Unicef/ Susan Markisz

Text: sueddeutsche.de/Laura Neuhaus/mati/jja

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