Rechtsterrorist im Leipziger NPD-Büro:Hoffmann betätigt sich nun auch als Biolandwirt

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In der Folge wurde Hoffmann in Zusammenhang mit verschiedenen Kapitalverbrechen gebracht, etwa dem Attentat beim Münchner Oktoberfest im Herbst 1980, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen, wie auch dem Mord an einem jüdischen Verleger und Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg und seiner Frau im Dezember 1980. Konkret nachgewiesen werden konnten Hoffmann diese Bluttaten nicht, doch er musste wegen Delikten wie Geldfälschung, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung eine Haftstrafe absitzen.

Als Ende 1989 die DDR unterging, war Hoffmann soeben wegen guter Führung aus dem Knast entlassen worden, fortan versuchte er sein Glück im Osten. Im thüringischen Kahla, wo der gebürtige Nürnberger nach dem Krieg aufgewachsen war und das Handwerk des Porzellanmalers erlernt hatte, bekam er sein Elternhaus zurückerstattet. Hoffmann und seine Frau kauften mehr als ein Dutzend Gebäude dazu und gründeten allerlei Firmen in der kleinen Porzellanstadt.

Dazu gehörten mehrere Gaststätten und ein Tabledance-Lokal, Antiquitätenläden und ein Möbelgeschäft. Zeitweise sollen an die 20 Mitarbeiter in seinen Geschäften gearbeitet haben, nicht wenige sollen aus der rechten Szene rekrutiert worden sein. Auch sonst wurden Geschäft und Politik gekonnt miteinander verknüpft: Eigenen Angaben zufolge will der "Chef", wie er sich von seinen Anhängern nennen ließ, an die zehn Millionen Mark in Kahla investiert haben, während er ganz nebenbei auch die politische Landschaft prägte.

Die Firmen in Kahla wurden irgendwann abgewickelt. Stattdessen richtete Hoffmann sein Augenmerk auf ein Rittergut im Süden von Leipzig, das zu NS-Zeiten von einem Nazi-Dichter bewohnt worden war. Heute wird das von einem Rokoko-Park umgebene Anwesen über eine Fiduziarische Kulturstiftung betrieben, deren Kurator und Rechtsträger Hoffmann ist. Für die Restaurierung der Gebäude beantragte der rechtslastige Schlossherr Fördermittel vom sächsischen Freistaat - und bekam etwa 130.000 Euro an öffentlichen Mitteln. Doch mittlerweile fordert die sächsische Landesregierung eine Summe von etwa 17.000 Euro zurück, die angeblich für förderfremde Zwecke verwendet wurden.

Jetzt betätigt sich Hoffmann auf dem Rittergut auch als Biolandwirt, er züchtet eine bestimmte Sorte Wollschweine. Sie werden "in Rotten" gehalten, Sauen und Eber gemeinsam, wie Hoffmann auf seiner Webseite erklärt. Das Fleisch verkauft er an Selbstabholer, die "Mindestabgabemenge ist eine Schweinehälfte".

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